08/08/2026
Ich habe in den letzten 2 Tagen wirklich viel über all eure Kommentare nachgedacht. Viel länger, als ich eigentlich wollte. 😅 Aber manche Dinge lassen einen eben nicht los.
Ich hatte euch gefragt, warum so viele von euch nicht mehr auf Tauchsafari nach Ägypten kommen oder zumindest deutlich seltener als früher. Und ich habe wirklich versucht, nicht nur einzelne Aussagen rauszupicken, sondern mir ein Gesamtbild zu machen.
Und das Ergebnis hat mich ehrlich gesagt ein bisschen traurig gemacht.
An erster Stelle steht nicht der Preis.
Nicht die Korallenbleiche.
Nicht einmal die Sicherheit der Schiffe.
An erster Stelle steht bei ganz vielen von euch dieses Gefühl, hier teilweise nur noch als Geldquelle gesehen zu werden. Die Unfreundlichkeit. Das ständige Ansprechen. Das Handaufhalten. Das Gefühl, dass überall noch irgendjemand etwas verkaufen möchte. Dass aus Freundlichkeit manchmal plötzlich eine Forderung wird. Dass man schon am Flughafen gestresst ist, bevor der Urlaub überhaupt angefangen hat.
Und ich kann euch nicht einmal sagen, dass ihr euch das einbildet.
Ich lebe nun seit vielen Jahren hier. Ich liebe dieses Land. Meine Familie ist hier. Meine Kinder wachsen hier auf. Mein Mann ist Ägypter. Unser Leben, unser Unternehmen, unsere Schiffe, eigentlich hängt alles an diesem Land und am Roten Meer.
Und trotzdem gibt es Situationen, in denen selbst ich manchmal denke: Leute… ernsthaft? Muss das jetzt sein?
Auch wir versuchen mittlerweile, wenn es irgendwie möglich ist, über Marsa Alam zu reisen, weil Hurghada einfach anstrengend sein kann. Und wenn ich mit Freunden oder Familie irgendwo unterwegs bin, kenne ich dieses Gefühl genauso, ständig angesprochen zu werden oder das Gefühl zu haben, jemand möchte noch schnell irgendwo Geld verdienen.
Ich möchte das gar nicht schönreden.
Aber ich möchte genauso wenig akzeptieren, dass genau diese Erfahrungen irgendwann das Bild eines ganzen Landes bestimmen.
Denn Hurghada ist eben nicht Ägypten.
Hurghada ist eine Touristenhochburg. Eine eigene kleine Welt. Selbst hier im Land wird über Hurghada manchmal ziemlich böse gesprochen und ja, ich habe tatsächlich schon mehr als einmal gehört, wie es als „Stadt des Teufels“ bezeichnet wurde. 🙈
Aber das Ägypten, in das ich mich verliebt habe, ist ein anderes.
Das sind Menschen, die dir Tee hinstellen, bevor sie überhaupt fragen, wer du bist.
Menschen, die dich zum Essen einladen und selbst kaum etwas haben.
Menschen, die dich irgendwo mitnehmen, weil du sonst nicht weißt, wie du nach Hause kommst.
Familien, bei denen plötzlich noch ein Stuhl an den Tisch gestellt wird, weil selbstverständlich genug für einen Menschen mehr da ist.
Dieses Ägypten gibt es noch.
Und genau dieses Ägypten möchte ich unseren Gästen wieder ein bisschen näherbringen.
Vielleicht liegt da auch ein Teil unserer Aufgabe.
Wir können den Flughafen nicht verändern. Wir können nicht jeden Verkäufer, jeden Taxifahrer und jeden Menschen verändern, dem ihr unterwegs begegnet. Und glaubt mir, wenn ich die ägyptischen Behörden ändern könnte, hätte ich inzwischen vermutlich irgendwo eine Statue. 😂
Aber wir können beeinflussen, was ab dem Moment passiert, in dem ihr bei uns seid.
Und darüber denke ich gerade sehr intensiv nach.
Vielleicht muss eine Tauchsafari bei uns künftig nicht erst beginnen, wenn ihr das Schiff betretet.
Vielleicht beginnt sie schon am Flughafen.
Mit einem Fahrer, von dem ihr vorher genau wisst, wie er heißt und wie er aussieht.
Mit einer klaren Info: Wer holt mich ab? Wo muss ich hin? Was kostet etwas? Was ist bereits bezahlt? Wem gebe ich meinen Koffer und wem eben nicht?
Vielleicht müssen wir euch ein Stück weit durch diesen ersten Teil der Reise hindurchführen.
Nicht, weil ihr kleine Kinder seid.
Sondern weil Urlaub verdammt nochmal auch bedeuten darf, nicht ständig auf der Hut sein zu müssen.
Ich möchte, dass der Moment, in dem ihr unseren Fahrer trefft, der Moment ist, an dem ihr denkt:
Okay. Jetzt kann ich loslassen.
Jetzt bin ich bei „meinen Leuten“.
Und wenn wir es schaffen, die Woche danach wirklich gut zu machen, dann wird vielleicht auch der nervige Mensch am Flughafen irgendwann nur noch zu der Geschichte, über die man am dritten Abend beim Bier lacht.
Das wäre zumindest mein Wunsch.
Der zweite große Punkt in euren Kommentaren war die Sicherheit der Safarischiffe.
Und auch da werde ich nicht sagen: „Ach, macht euch mal keine Sorgen.“
Natürlich macht ihr euch Sorgen.
Es ist in den vergangenen Jahren einfach zu viel passiert.
Das Vertrauen in die Branche hat gelitten und ich kann jeden verstehen, der heute genauer hinschaut.
Eigentlich wünsche ich mir sogar, dass ihr genauer hinschaut.
Fragt nach.
Wo ist der Sauerstoff?
Wie viel ist an Bord?
Wo sind die Rettungswesten?
Wie funktionieren die Löschsysteme?
Wie sehen die Fluchtwege aus?
Was passiert, wenn ein Taucher nicht zurückkommt?
Was passiert bei Feuer?
Wer übernimmt was?
Ich möchte solche Fragen nicht als Kritik empfinden. Ich möchte sie beantworten.
Wir haben in den letzten Jahren unglaublich viel in Sicherheit investiert. Und ich möchte euch zukünftig viel mehr davon zeigen. Nicht mit irgendwelchen schönen Werbesätzen, sondern wirklich zeigen.
Fotos.
Erklärungen.
Unsere Abläufe.
Unsere Ausrüstung.
Auch Dinge, die vielleicht nicht besonders hübsch für Instagram sind.
Denn Sicherheit sieht selten sexy aus. 😅
Aber sie ist wichtig.
Und der persönlichste Satz, den ich dazu sagen kann, ist wahrscheinlich: Ich würde meine Kinder nicht auf unsere Schiffe nehmen, wenn ich selbst Angst davor hätte.
Unsere Kinder schlafen dort.
Sie laufen über die Decks.
Sie fahren mit uns auf Tour.
Ich schlafe dort.
Yousef schläft dort.
Unsere Freunde schlafen dort.
Das heißt natürlich nicht, dass auf dem Meer niemals etwas passieren kann. Wer das verspricht, erzählt Unsinn.
Aber es heißt, dass wir Sicherheit nicht für irgendeinen Gast auf dem Papier machen.
Wir machen sie auch für unsere eigene Familie.
Dann kam irgendwann der Preis.
Und ja… darüber können wir lange diskutieren.
Aber ich muss euch auch ehrlich sagen: Viel günstiger können wir nicht mehr werden.
Wir laufen wirklich hart an der Grenze dessen, was noch sinnvoll ist.
Alles ist teurer geworden. Diesel, Lebensmittel, Ersatzteile, Wartung, Genehmigungen, Liegeplätze, Gehälter, Sicherheitsausrüstung.
Und gleichzeitig hat sich unsere Saison verändert.
Vor zehn Jahren kamen Taucher fast das ganze Jahr.
Heute haben wir bestimmte Monate, die gut laufen, und dann teilweise Wochen oder Monate, in denen das Schiff trotzdem da liegt, Crew bezahlt werden muss, Wartung gemacht wird, Versicherungen laufen und die Kosten einfach weitergehen.
Das Schiff sagt ja nicht im Januar: „Ach, heute keine Gäste? Dann koste ich diese Woche nichts.“ 😂
Leider wäre das wirklich praktisch.
Deshalb wird unsere Lösung nicht sein können, einfach immer weiter mit den Preisen runterzugehen.
Irgendwann gewinnt dabei nämlich niemand.
Dann spart man an Wartung, Personal, Essen, Sicherheit oder Qualität.
Und das ist genau das, was wir NICHT wollen.
Dann müssen wir eben an anderer Stelle besser werden.
Wir müssen euch das Gefühl geben, dass ihr für euer Geld wirklich etwas bekommt.
Nicht nur eine Kabine und drei Tauchgänge.
Sondern eine Woche, in der sich Menschen um euch kümmern.
Eine Woche, in der die Kabine sauber ist.
In der jemand merkt, wenn ihr Hilfe braucht.
In der das Essen stimmt.
In der die Flaschen fertig sind.
In der die Crew arbeitet.
In der die Guides vorbereitet sind.
In der ihr am Ende sagt:
Ja, es hat Geld gekostet.
Aber es war es wert.
Und da kommen wir auch zum Thema Trinkgeld.
Das ist ja immer ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. 😅
Unsere Empfehlung liegt ungefähr bei 150 Euro pro Gast für eine Woche.
Und ich weiß, 150 Euro hört sich im ersten Moment nach viel an.
Aber wenn ungefähr 15 Menschen an Bord eine Woche lang für euch arbeiten, reden wir am Ende über etwa 10 Euro pro Crewmitglied.
Für eine Woche.
Für Menschen, die morgens vor euch aufstehen und nachts teilweise nach euch ins Bett gehen.
Die kochen, putzen, Tanks tragen, Flaschen füllen, Zodiacs fahren, Ausrüstung schleppen, reparieren, Nachtwache halten und irgendwo im Maschinenraum verschwinden, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll.
Aber – und das ist mir wichtig – Trinkgeld ist keine Pflicht.
Und Trinkgeld ist auch kein Ersatz für Gehalt.
Die Crew bekommt Lohn.
Trinkgeld ist ein Dankeschön.
Und dieses Dankeschön muss verdient sein.
Wenn ihr nach einer Woche sagt: „Die Jungs haben sich wirklich den Hintern aufgerissen“, dann finde ich 150 Euro absolut fair.
Wenn ihr sagt: „Ganz ehrlich, der Service war nicht gut“, dann gebt weniger.
Oder sagt uns, was nicht gut war.
Ich möchte niemals, dass ein Gast am letzten Abend Geld gibt, weil er sich unter Druck gesetzt fühlt.
Dann ist für mich der Sinn komplett verloren.
Trinkgeld sollte sich gut anfühlen.
Auf beiden Seiten.
Und unsere Crew muss genauso verstehen: Man bekommt es nicht, weil man auf einem Safarischiff arbeitet.
Man bekommt es, weil man gute Arbeit gemacht hat.
So einfach.
Und dann kam in euren Kommentaren natürlich auch das Thema Korallen, Fischbestand und die Frage, ob das Rote Meer überhaupt noch das ist, was es einmal war.
Auch da möchte ich nichts schönreden.
Natürlich hat sich das Meer verändert.
Es gibt Plätze, die gelitten haben.
Es gibt Tauchgänge, bei denen weniger los ist als früher.
Es gibt Korallenbleiche.
Das sehe ich genauso.
Aber es gibt eben auch immer noch diese Momente.
Diese Tauchgänge, bei denen man nachher oben sitzt und grinst.
Diese Riffe, an denen plötzlich alles passt.
Das Licht.
Die Sicht.
Der Fisch.
Vielleicht ein Hai.
Vielleicht eine Schildkröte.
Vielleicht einfach ein winziger Oktopus, bei dem ich sowieso alles andere vergesse. 😂
Und vielleicht müssen wir genau das wieder mehr zeigen.
Ich habe auch ein Schreiben an das MOT (Ministry of Tourism) verfasst.
Mit euren Sorgen.
Mit den Gründen, die ihr genannt habt.
Mit der Frage, warum Gäste wegbleiben.
Mit dem Thema Verhalten gegenüber Touristen.
Mit all diesen kleinen Dingen, die zusammengenommen irgendwann dazu führen, dass jemand sagt:
„Weißt du was? Dann fliege ich eben woanders hin.“
Ob mein Schreiben etwas bewirken wird?
Keine Ahnung.
Vielleicht.
Vielleicht auch nicht.
Aber ich möchte zumindest nicht einfach zuschauen.
Ich bin seit vielen Jahren in diesem Business.
Ich liebe dieses Land.
Ich liebe das Rote Meer.
Ich liebe unseren Job.
Ich liebe dieses völlig verrückte Leben auf und mit den Schiffen.
Aber ich sehe nicht ein, warum wir das alles aufgeben sollten, nur weil sich manches in eine falsche Richtung entwickelt hat.
Dann müssen wir eben dagegenarbeiten.
Nicht gegen Ägypten.
Sondern FÜR das Ägypten, das wir lieben.
Für die Menschen, die hier wirklich herzlich sind.
Für das Meer.
Für unsere Crew.
Für unsere Gäste.
Und auch ein bisschen für diese verrückte kleine Familie, deren halbes Leben auf dem Wasser stattfindet.
Es tut mir wirklich leid, dass so viele von euch schlechte Erfahrungen machen mussten.
Wenn man ein Land liebt, möchte man natürlich, dass andere genau das sehen, was man selbst darin sieht.
Und dann liest man, wie jemand nach zwei Stunden am Flughafen eigentlich schon wieder nach Hause wollte.
Das tut weh.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man nicht beleidigt sein darf.
Sondern zuhören muss.
Ihr habt uns gesagt, was euch stört.
Jetzt müssen wir schauen, was wir davon verändern können.
Den Flughafen kann ich wahrscheinlich nicht retten.
Die ägyptische Bürokratie vermutlich auch nicht. 😂
Aber vielleicht können wir dafür sorgen, dass ihr euch bei UNS wieder willkommen fühlt.
Vielleicht können wir euch wieder ein bisschen von dem Ägypten zeigen, in das ich mich damals verliebt habe.
Und vielleicht schaffen wir es, dass ihr am Ende eurer Reise sagt:
„Der Flughafen war nervig. Aber diese Woche? Die war es trotzdem wert.“
Damit könnte ich leben.
Eigentlich sogar ziemlich gut. ♥️
Und wer mich kennt, weiß sowieso: Wenn ich einmal das Gefühl habe, dass sich etwas ändern muss, dann fangen meine acht Arme an zu arbeiten. 🐙😂
Also schauen wir mal, was daraus wird.
Ich bin jedenfalls noch lange nicht bereit, das Rote Meer aufzugeben.
Ganz im Gegenteil.
Vielleicht ist das gerade einfach ein Grund mehr, dafür zu kämpfen. ♥️🌊
Danke für Euer Vertrauen 💕🙏🏻🐬
Eure Nadine
Sowie Yousef & das gesamte Team von Hamata Mangroves