01/06/2026
Hier ein Bericht von Klaus
Fernfahrer-Romantik:
Vierzehn Tage unterwegs.
Von Wuppertal bis Lissabon. Zwei 18-Tonner. Eventlogistik. Kilometerfressen. Schlafen auf Rastplätzen. Und irgendwo dazwischen wieder diese Momente, die einen daran erinnern, warum man diesen Beruf trotz allem immer noch liebt.
Viele Menschen sehen auf der Autobahn nur Asphalt.
Ich sehe Landschaften.
Diese Tour hat mich einmal quer durch ein kleines Europa geführt.
Von Deutschland durch Frankreich, hinein nach Spanien, weiter bis Portugal. Und auf der Rückfahrt plötzlich wieder zurück durch völlig andere Welten.
Wer noch nie mit dem LKW durch die Iberische Halbinsel gefahren ist, kann kaum nachvollziehen, wie gewaltig diese Landschaften sind.
Stundenlang fährt man durch trockene Ebenen, vorbei an riesigen Feldern voller rotem Klatschmohn. Wirklich kilometerweit. Als hätte jemand Farbe über die Landschaft gegossen. Dazwischen diese gelb blühenden Ginstersträucher am Straßenrand, violette Blütenteppiche irgendwo in der Ferne und darüber ein Himmel, der manchmal aussieht wie aus einem Gemälde.
Und immer wieder diese gigantischen Schirmkiefern in Spanien und Portugal. Bäume wie aufgespannte Sonnenschirme. Teilweise stehen ganze Häuser und kleine Dörfer unter diesen Kronen. Wenn abends die Sonne tief steht und das Licht durch diese Bäume fällt, versteht man plötzlich, warum der Süden für viele Menschen etwas Emotionales ist.
Dann Lissabon.
Eine Stadt voller Licht, Hügel, enger Straßen und unglaublicher Atmosphäre. Mit zwei 18-Tonnern durch diese Altstadt zu fahren, ist nichts, was man vergisst. Zentimeterarbeit. Konzentration. Und gleichzeitig überall diese besondere portugiesische Stimmung.
Und dann die Rückfahrt.
Je weiter man nach Norden kommt, desto stärker verändert sich plötzlich alles.
Das trockene Spanien verschwindet langsam. Das Baskenland wird grün. Feuchte Luft. Wälder. Berge. Nebel. Fast wie ein anderer Kontinent.
Und dann Frankreich.
Ich fahre diesmal die östliche Route Richtung Lyon, nahe der Schweizer Grenze. Und ehrlich gesagt hatte ich völlig unterschätzt, wie gewaltig die Wälder dort sind. Hunderte Kilometer Tannenwald und Mischwald. Berg rauf, berg runter. Viadukte über riesige Täler. Dunkle Wälder bis zum Horizont.
Viele kennen Frankreich nur aus Urlaubskatalogen. Wein, Lavendel und Paris.
Aber dort draußen im Zentralmassiv, in der Auvergne und Richtung Nationalpark der Vulkane, bekommt Frankreich plötzlich etwas Wildes. Fast etwas Nordamerikanisches.
Heute bin ich über mehrere Viadukte gefahren, unter anderem über das Viaduc de Chavanon. Rechts und links tiefe Täler, Wälder, Wolken, Fernsicht bis weit nach Osten. Und plötzlich erkennt man auf den Bergen tatsächlich noch Schnee.
Schnee.
Und da wird einem erst bewusst, was man in wenigen Tagen eigentlich alles durchquert hat:
mediterrane Pinienlandschaften, rote Mohnfelder, Atlantikklima, baskische Berge, französische Wälder, Vulkanlandschaften und schneebedeckte Höhenzüge.
Das alles in einer einzigen Tour.
Manchmal denke ich, Fernfahrer erleben Europa intensiver als viele Touristen. Nicht luxuriöser. Nicht bequemer. Aber echter. Kilometer für Kilometer.
Und genau deshalb mache ich manchmal Fotos von zwei schmutzigen 18-Tonnern auf irgendeinem Parkplatz.
Weil hinter diesen Bildern mehr steckt als nur Transport.
Es sind Geschichten.
Landschaften.
Begegnungen.
Licht.
Wetter.
Straßen.
Und dieses seltsame Gefühl von Freiheit zwischen Müdigkeit, Asphalt und Horizont.
Pathfinder’s World.