10/09/2026
Kann Mann/Frau so machen, muss Mann/Frau aber nicht
Neulich kam ich mit einem jungen Mann ins Gespräch, der eine Ausbildung zum (Speditionskaufmann) Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung (so der Wortlaut heute) am 1. Aug. 2026 begonnen hatte. Du bist doch auch Spediteur, wie war das denn damals in der Ausbildung bei dir und was würdest du mir raten? Worauf sollte ich in der Ausbildung besonders achten?
Ich erzählte ihm darauf hin, unabhängig davon, ob du Azubi, Ausgelernte/r oder Berufs-/Quereinsteiger-/in in der Logistik bist, wie ich es gemacht und erlebt habe und immer wieder machen würde:
1) Zieh dir deinen „Blaumann“ an und geh ins L***r oder in die Produktion.
Und zwar möglichst früh. Ist anfangs alles andere als ein Träumchen und wird von vielen als „Strafe“ verstanden. Aus eigenen Erfahrungen sehe ich das nicht erst seit heute komplett anders.
Das L***r/die Produktion ist eine der besten Grundlagen für eine Karriere in der Logistik.
Wer selbst mit Hand angelegt hat, kommissioniert, ent-/beladen, ab-/umgefüllt hat, umgepackt, verpackt, palettiert, neutralisiert, etikettiert, gewickelt oder gebändert hat, weiß was passiert. Wenn eben etwas nicht funktioniert, entwickelst du ein anderes Verständnis für die Abläufe in der Logistik.
Du verstehst die Auswirkungen von Entscheidungen nicht nur aus dem Büro. Sondern, viel wichtiger, aus der Praxis heraus und du denkst eher lösungs- statt problemorientiert.
2. Geh in die Disposition.
Grundlage für vieles, was sich vor und nach dem L***r ereignet. Wer disponiert hat, versteht Zusammenhänge zwischen Auftrag, Personal, Fahrzeug, Kunde, Zeit und Kosten. Und eines ist sonnenklar: Irgendwas ist immer, egal wann und wo!
3. Lern Zahlen zu lesen und mit ihnen umzugehen – nicht nur zu berichten.
Ein Monatsbericht, den du nicht wirklich verstehst, ist eine verpasste Chance. Umsatz, Kosten, Produktivität, Auslastung und Ergebnis geben dir die Rückmeldung deines Einsatzes. Monat für Monat.
4. Sprich nicht nur mit den Fahrern, fahr ein paar Tage mit.
Erlebe live, was wirklich auf der Straße, bei der Abholung/Anlieferung passiert. Womit haben die Fahrer jeden Tag zu kämpfen und was wird ihnen dabei geboten?
Mitarbeiter im L***r und Fahrer wissen, wo Prozesse tatsächlich funktionieren oder eben nicht.
Darüber liest du nichts, hörst aus 2. oder 3. Hand, meist von Leuten mit Halbwissen.
5. Steter Tropfen höhlt den Stein. Sei verlässlich, Tag für Tag.
Nicht zu Showzwecken, sondern im Besondern wenn’s eng wird und Lösungen hermüssen.
Was könnten diese fünf Punkten mit dir machen?
Eine/keine Karrieregarantie?! Fakt bleibt: Du hast dir eine verdammt gute Grundlage für deine Zukunft in der Logistik erarbeitet. Theorie ist wichtig, Praxis ist der Alltag.
Wer das wirklich versteht, hat einen entscheidenden Vorteil und ca. 80 % seiner Kollegen-/innen etwas voraus. Du führst Logistik nicht nur aus dem Büro heraus, du verstehst Logistik.
Praxis schlägt immer Theorie, auch wenn's manchen Großkopferten nicht gefällt, weil sie teilweise selbst so ratlos sind.
Glück auf an alle, die Logistik als Berufung verstehen!