23/06/2026
Stuttgart 21 als Paradebeispiel
Stuttgart 21 zeigt exemplarisch, was passiert, wenn Planung die „unwesentlichen" Dinge unter den Tisch fallen lässt – genau das, was Burckhardt 1974 kritisierte.
Das Projekt wurde jahrzehntelang von Experten, Behörden und Bauträgern optimiert: Effizienz, Kapazität, Wirtschaftlichkeit – alles messbar, alles modellierbar. Was nicht in die Modelle passte – die Erfahrung der Anwohner, der Erhalt des Schlossgartens, die tatsächliche Nutzungsqualität des neuen Bahnhofs – wurde zur Nebensache erklärt.
Die Konsequenz war keine technische, sondern eine demokratische Krise: Zehntausende gingen auf die Straße, weil sie erkannten, dass Entscheidungen längst getroffen worden waren, bevor irgendjemand gefragt wurde.
Überträgt man das auf KI: Wenn Algorithmen künftig Bebauungsdichten berechnen oder Grundrisse optimieren, wird diese Unsichtbarkeit des „Wer entscheidet?" noch schwerer aufzubrechen sein. Bei Stuttgart 21 konnte man wenigstens noch auf Planer, Politiker und Bauträger zeigen. Bei einem KI-generierten Stadtentwicklungsplan löst sich diese Verantwortungskette zunehmend auf – und mit ihr die Möglichkeit, demokratisch zu widersprechen.
Jean Baudrillard veröffentlichte „Simulacres et Simulation“ 1981, zu einem Zeitpunkt, an dem das Fernsehprogramm in den Nachtstunden noch von einem Testbild unterbrochen wurde, und zwei Jahre bevor die Einführung der TCP/IP-Protokolle den Grundstein für das legten, was wir heute als Internet ...