22/04/2016
Marco Solcher zeigt einen Blisterstreifen im Reinraum des Unternehmens im IGZ in Volkstedt. Foto: Heike Enzian Marco Solcher zeigt einen Blisterstreifen im Reinraum des Unternehmens im IGZ in Volkstedt. Foto: Heike Enzian
Rudolstadt. Das Blisterzentrum in Rudolstadt stellt diese Form der Verpackung her.
Angefangen hat alles vor inzwischen sechs Jahren mit der Anfrage eines Pflegeheimes nach der neuen Form der Medikamentenversorgung. Daraufhin hat Ralf Keilhau, Inhaber der Stadtapotheke in Rudolstadt, den Entschluss gefasst, eine Firma zu gründen, die genau diese Dienstleistung bietet. Handelsübliche Tabletten werden dabei in so genannte Blisterschläuche verpackt und im Auftrag der Apotheken bundesweit zur Verwendung in Altenheimen, Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege versendet. Blistern ist das Fachwort dafür. Das heißt, jede Dosis der Medikation wird für den Patienten individuell in einem separaten Fach entsprechend des Bedarfs zu den einzelnen Einnahmezeiten im Laufe des Tages verpackt und entsprechend beschriftet.
2010 gründete der promovierte Apotheker das Blisterzentrum Rudolstadt mit damals drei Mitarbeitern. In den Folgejahren wuchs das Unternehmen stetig. Inzwischen ist das Blisterzentrum umgezogen auf eine etwa 650 Quadratmeter große Fläche im IGZ in Volkstedt und beschäftigt heute 30 Mitarbeiter, die in zwei Schichten arbeiten. Ein hoher sechsstelliger Betrag wurde in Maschinen und Ausstattung investiert.
Die Gefahr der Fehlmedikation sinkt
„Der Vorteil dieser Art der Medikamentenverpackung liegt auf der Hand. Das Personal in den Pflegeheimen oder die pflegenden Angehörigen zu Hause werden entlastet. Niemand muss mehr die Tabletten aus den Verpackungen nehmen, sortieren, auf ein Schälchen legen von dem sie möglicherweise wieder runterfallen oder verwechselt werden könnten. Wir helfen damit nicht nur Zeit zu sparen, sondern erhöhen auch die Sicherheit für die Patienten“, so Ralf Keilhau. Die Gefahr einer Fehlmedikation sinkt.
Abgefüllt werden die Tütchen automatisch. Das heißt, die Medikamente werden aus den handelsüblichen Verpackungen in Kanister gefüllt, mit denen die Automaten bestückt werden. Bis zu 500 verschiedene Medikamente passen in jeden der vier Automaten. Es folgt entsprechend des Auftrages für jeden einzelnen Patienten die vollautomatische Einsortierung der Arznei in die Tütchen, die bereits mit dem Namen der Patienten, dem Ort, den Einnahmetagen und -uhrzeiten sowie Einnahmehinweisen bedruckt sind. Das alles passiert unter Reinraumbedingungen. Im Anschluss erfolgt ebenfalls vollautomatisch die Kontrolle mittels eines abgespeicherten Fotos. Taucht eine Fehlerquelle auf, werden die Blister von Mitarbeitern erneut kontrolliert und gegebenenfalls erneuert, bevor sie verpackt und versendet werden. Medikamente, die heute verblistert werden, sind am nächsten Morgen beim Kunden, sprich der Apotheke, und wenige Stunden später bereits beim Patienten.
Zu den Kunden des Blisterzentrums in Rudolstadt gehören Apotheken zwischen München und Brandenburg. „Wir sind Lohnhersteller für Apotheken“, so der Inhaber. Gut möglich, dass in Kürze auch Apotheken aus dem Norden der Bundesrepublik dazu kommen.
Das Blisterzentrum Rudolstadt war im März auf der Altenpflegemesse in Hannover vertreten. Es war bereits der dritte Messeauftritt, jedoch der erste mit einem eigenen Stand. „Wir waren absolut überrascht, sowohl vom Zuspruch als auch von der Menge neuer Interessenten“, resümiert Ralf Keilhau und weiß, was das bedeutet: Noch mehr Arbeit.
Heike Enzian / 02.04.16 / OTZ
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