10/04/2026
Engpass Straße von Hormus – ein Blick auf die aktuelle Lage
Ein französisches Containerschiff hat die Straße von Hormus gerade als eines der ersten wieder passiert. Was danach passierte, zeigt, wie fragil die globale Seefracht in diesem Nadelöhr wirklich ist.
Der Schiffsverkehr läuft dort aktuell nur durch einen einzigen Korridor, der von den Iranischen Revolutionsgarden kontrolliert wird. Mit Freigabecodes. Mit iranischem Begleitdienst. Und mit Risikoprämien, die sich in den letzten Wochen verdreifacht haben.
Hunderte Tanker und Containerschiffe liegen auf beiden Seiten vor Anker und warten.
Was das konkret bedeutet:
Lieferungen in den und aus dem Persischen Golf sind massiv verzögert oder komplett gestoppt.
Versicherungskosten schießen durch die Decke, weil kein Underwriter dieses Risiko mehr normal bepreist.
Alternativen existieren, aber sie sind teuer, langsam und für viele Verlader schlicht nicht praktikabel.
Ich erlebe gerade täglich, wie Kunden fragen: Gibt es eine Umgehungsroute? Kann man über den Golf von Oman abwickeln? Wie lange dauert das?
Die ehrliche Antwort: Es gibt Optionen. Aber keine davon ist einfach.
Für Lieferungen in die VAE gibt es Häfen am Golf von Oman, die Hormus umgehen. Für alles andere braucht es individuelle Lösungen, gute Netzwerke und vor allem eines: Realismus über Kosten und Laufzeiten.
Was mich an der aktuellen Lage am meisten beschäftigt, ist nicht die Geopolitik. Es ist die Tatsache, dass viele Unternehmen immer noch keine Notfallplanung für genau solche Szenarien haben.
Suez 2021. Hormus 2026. Die Welt zeigt uns regelmäßig, dass ein einziges Nadelöhr reicht, um globale Lieferketten ins Wanken zu bringen.
---
Originaldatum: 04.04.2026