31/01/2022
Seit Januar 2021 mussten beim steigende Kosten verkraften, in der 2. Hälfte 2021 hat sich dieser Preisanstieg nochmals beschleunigt. Die Entwicklung bedroht die Existenz von Güterbahnunternehmen & gefährdet das Erreichen der Klimaschutzziele. Aus Kostengründen könnte die Ladung an den Lkw verlieren. E-Mobilität ist auf der Schiene seit Jahrzehnten Realität. Heute wird der Schienengüterverkehr bereits zu 95 % mit E-Lokomotiven erbracht - Tendenz steigend. Diese Transportart ist deutlich energieeffizienter & mit einem hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien zukunftsweisend. Die Rahmenbedingungen in der Energiepolitik machen es der Schiene seit vielen Jahren schwer, ihre für die verladende Wirtschaft bedeutsame wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Straßentransport zu verbessern. Ein Rückblick auf die langfristige Entwicklung des Strompreises und des gewerblichen Dieselpreises seit 2008 bis zum Beginn 2021 zeigt: Diesel wurde mit einem Rückgang von 5 ct/l in diesen 13 Jahren nicht einmal nominal teurer im Unterschied zum Strom, dessen Preis kontinuierlich durch Abgaben anstieg. Die Einführung einer CO2-Steuer im Jahr 2021 – die erste Klimaabgabe, die der Lkw zahlen muss, wohingegen der Zug seit 1999 Stromsteuer zahlt – konnte daran nichts ändern. Der Anteil der Energiekosten an den direkten Betriebskosten der EVU lag bereits vor der aktuellen Entwicklung bei etwa 20 %. Einer Experteneinschätzung zufolge hat sich der Preisanstieg seit 2021 unter Berücksichtigung der „stabilisierenden Elemente“ verdoppelt. Die Stromeinkaufspreise lassen dazu keine Entspannung erwarten, denn diese liegen sogar über den Preisen im Januar 2021. Das hat u. a. zur Folge, dass längerfristige Einkaufsstrategien der Güterbahnen durch den hohen Strompreis bestimmt werden. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Problem einzelner Unternehmen, sondern hat fundamentale Auswirkungen auf die Klimaschutzziele. Im vergangenen Jahr erlebte zwar auch der Straßengüterverkehr gestiegene Dieselpreise, dennoch liegt die Steigerung dort deutlich niedriger als die Entwicklung im elektrisch betriebenen Schienengüterverkehr. Bis 2030 soll der Marktanteil des Schienengüterverkehrs von 18 auf mind. 25 % gesteigert werden. Die derzeitige Situation wirft die Güterbahnen zurück: Immer häufiger könnte es kostengünstiger werden, Verkehre aufgrund gestiegener Preise auf die Straße zu verlegen & im verbleibenden Schienengüterverkehr wieder Dieselloks einzusetzen. Es ist sowohl die Verkehrs- & die Energiepolitik des Bundes gefragt, dieser Entwicklung durch Maßnahmen entgegenzusteuern. Ziel muss sein, den intermodalen Wettbewerb zu stabilisieren & die relative Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs zu stärken, indem bspw. der überfällige Abbau des Dieselsteuerprivilegs endlich Realität wird. Langfristig muss die Strompreisentwicklung stabilisiert werden.
Quelle: Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V.