17/08/2026
Die neue IGA-Brücke - ein Kommentar
Die Ruhr Nachrichten Lünen berichteten in der letzten Woche darüber und auch hier bei Facebook finden sich viele Kommentare dazu: Die rund 40 Zentimeter breite Lücke im Geländer der neuen IGA-Brücke ist ohne Frage mehr als peinlich. Eine neue Brücke wird hochoffiziell eingeweiht - und anschließend stellt sich heraus, dass ein Stück Geländer fehlt. Ein wenig erinnert das an die mit viel Pomp eingeweihte neue B54/B236 in Lünen, die auch gut ein Jahr nach ihrer Eröffnung noch immer nicht vollständig fertiggestellt war.
Doch bei aller berechtigten Häme über die Geländerlücke: Sie ist derzeit gut abgesichert und dürfte hoffentlich bald geschlossen sein. Aus Sicht des ADFC Lünen gibt es an der neuen Brücke ein sehr viel ernsteres Problem.
Wer aus Richtung Schwansbell in Richtung Lüner Innenstadt fährt, kommt zunächst bergauf auf die neue Brücke zu. Oben angekommen führt der Radweg in einer Rechtskurve über die Kamener Straße. Genau hier liegt jedoch die Gefahr: Folgt man nicht der nach rechts führenden Wegeführung, sondern setzt (aus Unachtsamkeit oder weil man die Situation insbesondere bei Dunkelheit zu spät erkennt) seine bisherige Fahrtrichtung geradeaus fort, fährt man unmittelbar auf eine lange und steile Treppe zu. Zwischen Radweg und Treppe gibt es derzeit keine bauliche Sicherung, die dies verhindert. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kann deshalb genügen, um an die Treppenkante zu geraten und die Treppe hinunterzustürzen.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil der ADFC Lünen normalerweise genau das Gegenteil fordert: weniger Poller und andere unnötige Hindernisse auf Radwegen. Seit 2024 gibt es in Nordrhein-Westfalen den sogenannten „Poller-Erlass“. Er verpflichtet die Kommunen, Sperrpfosten, Poller und Umlaufsperren auf Verkehrsflächen, auf denen Radverkehr zugelassen ist, systematisch zu überprüfen und unnötige Hindernisse abzubauen. Diesen Ansatz begrüßt der ADFC Lünen ausdrücklich. Gemeinsam mit der Stadt setzen wir uns seit längerem dafür ein, überflüssige Poller aus dem Lüner Stadtbild zu entfernen.
Hier aber liegt der Fall anders. Der direkte Weg auf die Treppe muss durch eine geeignete und gut erkennbare Sicherung unterbrochen werden. Ob dies durch einen Sperrpfosten oder durch eine andere bauliche Lösung geschieht, sollten die Fachleute entscheiden. Wichtig ist, dass die Sicherung auch bei Dunkelheit und schlechten Sichtverhältnissen zuverlässig wahrgenommen werden kann und nicht ihrerseits zu einer neuen Gefahr für den Radverkehr wird.
Die Verantwortlichen sollten damit nicht warten, bis tatsächlich etwas passiert. Gerade bei einem neu errichteten Bauwerk für den Fuß- und Radverkehr muss eine solche Gefahrenstelle auffallen und beseitigt werden.
Über 40 Zentimeter fehlendes Geländer kann man schmunzeln. Über eine vermeidbare Sturzgefahr an einer steilen Treppe nicht.
Ralf Bothge, ADFC Lünen