03/05/2026
Was für ein verrückter und anstrengender Tag.
Aber alles schön der Reihe nach. Wir sind gestern echt schnell eingeschlafen, also ich zumindest. Als ich das erste Mal wach werde, freue ich mich, dass mir warm ist, das Bett ist bequem und mir geht es gut.
Als wir um sieben aufstehen, scheint zwar nicht die Sonne, aber es regnet immerhin nicht. Die Temperatur liegt bei gut 14°C, also T-Shirt und Flipflops reichen zur Shorts.
Der Kaffee blubbert und ich sitze gedankenverloren hier vor dem Zelt. Tja, was machen wir heute. Der kürzeste Weg zum Treffpunkt sind nur etwa 140 Kilometer, und dann? Was machen wir morgen? So super soll das Wetter nun auch nicht werden, als das man da nen faulen vor dem Zelt machen könnte.
Zurückblickend wäre das sicherlich die cleverere Variante gewesen. Naja, ich will ja nicht jetzt schon meckern.
Also langsam die Sachen packen und um halb zehn passieren wir die Schranke am Campingplatz. Ich habe mich für die Richtung Verdun entschieden, der Nationalpark drumherum ist schön und auch die Stadt kann sich sehen lassen.
Also düsen wir los und es geht uns wirklich gut. Mein Kopf macht mit, und so kann ich die Strecke auch genießen. Manchmal geht es kurvig durch Wälder, manchmal über seichte Hügel, von denen man die Aussicht genießen kann.
Leider gb es heute Morgen keinen Brötchenservice, da Sonntags nicht geliefert wird. So sind wir auf der Suche nach ein Bäckerei um uns mit entsprechendem Backwerk zu versorgen. Leider scheint das nicht so einfach, zumindest führt uns unsere Route scheinbar nur durch solche Dörfer, in denen es entweder keine gibt oder diese geschlossen haben.
Als wir dann endlich was gefunden haben, ist es bereits halb zwölf und mir hängt der Magen sprichwörtlich zwischen den Knien. Eine escargot au chocolat für auf die Hand und das Baguette dann in die Tasche. Der nächste Supermarkt kommt bestimmt. Wie heißt es doch so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Von weitem sehen wir etliche große Supermärkte, wenn jedoch nahe genug dran sind, dann sind sie dunkel und geschlossen. Die, die offen haben, sehen wir zu spät. Mit den Worten „den nächsten nehmen wir bestimmt“ verpassen wir auch die kommende Stunde jede Möglichkeit was einzukaufen.
Naja, man kann halt nicht alles haben. Immerhin haben wir ein kleine Schotterpiste entdeckt, die die Abkürzung auf die eigentliche Straße wird. Wer jetzt denkt, das wird doch nichts, so a‘la Alex Adventures, ne da muss ich euch enttäuschen, das dauert noch was.
Die Strecke ist entspannt und so schaue ich mal was denn so geht. Naja, die Knie rebellieren im stehen, aber auch im sitzen kann man Gas geben. Es sind nur etwa 1,5 Kilometer, aber die machen Mut zu dem was da demnächst noch kommt.
Es ist nun etwa zwanzig nach eins, als das Dilemma seinen Lauf nimmt. Aus der Ferne erscheint vor mir eine wunderschöne geschwungene weiße Schotterpiste, die sich zwischen den Rapsfeldern hindurchwindet. Immer wieder schiele rüber zu dieser Straße, nur leider gibt es keine Kreuzung, die uns abbiegen lässt.
Als das Navi dass etwa fünfhundert Meter weiter einen Weg links anzeigt, möchte ich mal schauen, ob uns diese Piste dann rüber zu den Feldern führt.
Die ersten paar hundert Meter sind super. Eine frische, leicht angewalzte Piste, die keine große Herausforderung darstellt. Nach ein paar Minuten kommt die erste Kreuzung und wir fahren in den Wald. Die Piste wird älter, ausgewaschene Spuren werden sichtbar, aber alles ist gut.
In weiteren etwa 800 Metern kommt die nächste Kreuzung. Hier soll ein Rastplatz sein. Ja, im Sommer ist das sicher was, oder vielmehr war da was. Es gibt genau einen Stuhl unter dem leicht heruntergekommenen Dach. Ehhhm, nee, um einen Stuhl wollen wir uns nicht zanken.
Gerade aus geht der nächste Weg. Eine Kette signalisiert ob man durch darf, oder halt auch nicht. In unserem Fall ist die Kette offen. Garmin zeigt mit hier entspannt, dass da noch drei weitere Rastplätze im Wald sein sollen.
Nein Jörg, sag nichts. Calimoto hätte hier nicht einmal Wege angezeigt.
Der Weg ist zu Beginn noch akzeptabel, aber nach wenigen hundert Metern verschwindet alles, was eine Befestigung erinnern würde. Zum Glück ist es einigermaßen trocken und das hier unter uns nicht einfach nur Schlamm und Matsch.
Zu den, von Wildschweinen aufgewühlten Abschnitten mischen sich jetzt auch trockenmatschige Spurrinnen dazu, die in der Vertiefung noch schön rutschig und feucht sind, während die Seitenränder bereits hart und fest sind. Genau das richtige für den ersten Tag im Gelände.
Leider dauert es nicht allzu lange und die Tenere kann die Spur nicht mehr sauber halten und wie immer werden genau dann die Beine zu kurz. Nachdem das Bike dann wieder steht, geht es auch recht zügig weiter. Bis auf einmal nicht einmal mehr Spurrinnen da sind.
Der Rastplatz ist zum greifen nah und so arbeiten wir uns weiter durch den Wald. Irgendwann geht vor uns gar nichts mehr. Bäume, Matsche, tiefe Löcher, hier war seit Jahren keiner mehr.
Ok, was tun? Etwa 200 Meter oberhalb von unserem verläuft ein paralleler Weg. Auf der Karte breiter und auch dunkler dargestellt. Da oben soll der zweite Rastplatz sein und vielleicht ein Weg, der uns wieder auf eine besser zu fahrende Variante führt.
Also links den Berg hinauf, bis der erste Baum quer über den Weg liegt. Absteigen, wegziehen und gar nicht so tun als ob das hier nur Rückewege für den Holztransport wären. Oben angekommen stellen wir fest, das die Alternative ebenfalls seit Jahren nicht genutzt wird. Aber von hier aus ist es Nordwärts immer noch kürzer zu der vermuteten schönen weißen Straße.
Hier im Wald gibt es nur noch Garmin und das kleine Symbol, welches sich auf den braunen Linien bewegt. Einen Weg kann man nur noch mit viel Phantasie erahnen. Dennoch kämpfen wir uns weiter vor.
Bis der nächste umgefallene Baum den Weg versperrt. Nach einigem Hin und Her, liegt dieser dann so auf dem Boden, dass wir dran vorbei kommen. So jetzt aber noch etwa dreihundert Meter, dann sollten wir auf dem „großen“ Weg treffen.
Noch 100 Meter, noch 50, es kann nicht mehr weit sein. Als ich um einen Baum herum fahre sehe ist das nächste Hindernis. Fein sauber aufgestapelte Bäume, die sicher dafür sorgen sollen, dass da keiner rein fährt.
Das können nicht mehr als 30 oder 40 Meter sein, die uns von unserem Ziel trennen. Aber es ist einfach kein Durchkommen, keine Chance. Nicht zu zweit.
Von der ganzen Plackerei sind wir echt fertig, wir schwitzen wie die Schweine, die Nerven liegen blank und dann noch in dem Mist hier drehen. Mit viel Geschnaufe und einer Mischung aus Wut und Enttäuschung versuchen wir hier unten zu drehen.
Die Minuten vergehen, wir haben Schnappatmung und wir stellen erst jetzt bewusst fest, dass wir die Regensachen auch noch anhaben.
Ich tropfe, versuche die Jacke aufzumachen und stelle fest, dass der Kreislauf auch keine Lust mehr hat. Iris bekommt in der Hitze unter dem Helm Platzangst und so stehen wir hier erst einmal etliche Minuten regungslos herum und versuchen einen klaren Gedanken zu fassen.
Irgendwann stehen die Bikes wieder in der richtigen Richtung und wir machen uns auf den Weg. Natürlich biegen wir irgendwo im nirgendwo falsch ab und stehen wieder vor irgendwelchen Bäumen, die da vorhin nicht waren.
Iris ist fertig mit der Welt, an Mopped drehen ist nicht zu denken. Ich helfe ihr, so dass wir nur wenige Minuten später wider auf dem richtigen Track unterwegs sind.
So, was nun? Exakt das gleiche zurück was wir her gefahren sind, oder den anderen Weg in der Hoffnung, dass der besser ist. Wir entscheiden uns für den Weg, den wir hergefahren sind.
Nachdem wir den Hang hinunter gefahren sind, des es vorhin bergauf ging, stehen wir eigentlich schon wieder fest und wollen gerade wieder los, als Iris das Gleichgewicht verliert, weil wieder einmal das Bein zu kurz ist.
Also rüber gehen, Bike aufheben und dann schnell hinsetzen, bevor es dunkel wird. Der Kreislauf, der mag mich heute nicht, zu wenig gegessen, sicherlich überhitzt und völlig demotiviert sitze ich hier und überlege was wir da gerade wieder einmal tun.
Long story short, den letzten Kilometer schaffen wir ganz gut, auch wir nicht wirklich wissen wie. Wir stehen auf festen Schotter, Freude, Ärger und einige andere Gefühle fahren hier gerade Achterbahn. Tankstellen, Sachen aus und dringend was zu Essen.
Keine 20 Kilometer weiter finden wir alles, was wir brauchen. Wir setzen uns auf eine Bank, essen was und schauen, wo wir schlafen wollen. Heute gönnen wir uns ein Hotel. Duschen, anständiges Bett und morgen früh an den gedeckten Tisch.
Mittlerweile sitzen wir satt gegessen hier auf unserem Zimmer, lecken unsere seelischen Wunden und versuchen neue Kräfte zu sammeln.
Der kleine, nur rund 4,5 Kilometer lange Ausflug hat uns etwa 75 Minuten gekostet. So viel zum Thema Alex Adventures.
Insgesamt waren es dann 217 Kilometer, auf meist wunderschönen Abschnitten. Morgen fängt dann mit dem Treffen mit Jörg ein neuer Abschnitt dieser Reise an.
Gute Nacht zusammen und schlaft gut.