12/05/2026
Einige persönliche Worte unserer ersten Vorsitzenden.
Unsere Branche hat in den vergangenen Jahren viel erlebt: Krisen, Konflikte, wirtschaftlichen Druck, aber auch persönliche Verletzungen und tiefe Gräben zwischen Menschen, die eigentlich dieselbe Leidenschaft verbindet – den Tourismus und die Verantwortung für andere Menschen.
Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, nicht noch mehr Mauern aufzubauen, sondern wieder Brücken zu schlagen. Nicht übereinander zu sprechen, sondern miteinander. Nicht vorschnell zu urteilen, sondern zuzuhören. Denn hinter jeder öffentlichen Debatte stehen Menschen, Perspektiven und Geschichten, die oft komplexer sind, als sie von außen erscheinen.
Der folgende Text ist deshalb kein Angriff, sondern ein persönlicher Denkanstoß. Ein Appell an mehr Fairness, mehr Menschlichkeit und mehr Bereitschaft, auch andere Blickwinkel zuzulassen:
"„Sechs“ oder „Neun“ – je nach Perspektive.
Dieses Bild beschreibt für mich sehr treffend, was ich, Marija Linnhoff, in den vergangenen Jahren erlebt habe. Viele Menschen haben sich ein Urteil gebildet, ohne meine Sicht der Dinge wirklich hören zu wollen. Doch nur weil jemand überzeugt behauptet, recht zu haben, bedeutet das nicht automatisch, dass die andere Seite falsch ist.
Und ja: Ich habe Fehler gemacht.
Nicht aus Bosheit. Nicht aus Berechnung. Sondern auch, weil ich irgendwann nicht mehr wusste, wie ich mit all den Vorwürfen, Halbwahrheiten und Lügen umgehen sollte, die damals bereits im Raum standen. Wer dauerhaft unter Druck steht, reagiert nicht immer perfekt.
Aber genau an diesem Punkt begann auch meine Entwicklung.
Denn irgendwann habe ich angefangen, nicht nur meine eigene Wahrheit zu sehen, sondern auch die Wahrnehmung der anderen Seite verstehen zu wollen. Das war sehr schmerzhaft, aber notwendig. Und genau darin liegt für mich heute der Unterschied zwischen Macht und Größe: Fehler einzugestehen, Perspektiven zuzulassen und daran zu wachsen.
Deshalb richtet sich mein Appell heute auch an meine Widersacher in der Branche, insbesondere an den DRV, den BTW, AIDA, RDA, V.I.R und alle Verantwortlichen mit Einfluss:
Wenn ich lernen konnte, meine Perspektive zu hinterfragen und mich weiterzuentwickeln – warum sollte das nicht auch anderen möglich sein?
Es sei denn, manche hängen so sehr an Macht, Geld oder ihrem eigenen Status, dass sie lieber über Menschen hinweggehen, statt Brücken zu bauen. Manche verwechseln nämluch Führung mit Kontrolle und Stärke mit Härte. Doch wahre Größe zeigt sich nicht darin, andere kleinzumachen, sondern darin, fair zu bleiben, selbst wenn es unbequem wird.
Wir brauchen in unserer Branche wieder mehr Menschlichkeit, mehr Mut zur Differenzierung und mehr Respekt im Umgang miteinander. Denn hinter jeder öffentlichen Diskussion steht ein Mensch – mit Fehlern, mit Verletzungen, aber auch mit der Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln.
Am Ende sitzen wir vielleicht alle auf derselben Seite des Bildes. Wir schauen nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln darauf".