19/10/2025
Es gibt sich auch hier, ruhige Plätze in der Natur, abseits vom "Trubel", hier: Der Bischofswehl in Stinteck, fotografiert von Bettina (Betty) Thiessen.
Übrigens, viele von euch kennen den Begriff vermutlich noch nicht oder kennen zumindest den Ursprung nicht. Hier daher einige Erläuterungen dazu, auch wenn ich vor einigen Jahren bereits in meiner Serie "Küstenvokabeln" darüber berichtet habe.
Was sind Wehle?
Wer regelmäßig nach Büsum kommt und dann auch unsere Umgebung in den Kögen erkundet, wird an den Deichen sicherlich schon einen kleinen Teich, Tümpel, Kolk oder auch See – wie immer man sie nennt- gesehen haben. Sie befinden sich zumeist an der zweiten Deichlinie, aber auch weiter im Binnenland. Immerhin gibt es durch die Köge, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, diverse alte Deichlinien, die man auch als Schlafdeiche bezeichnet. Entstanden sind die Wehle durch Deichbrüche bei Sturmfluten, als der betreffende Deich noch in vorderste Linie zur Nordsee hin stand. Beim Brechen des Deiches „schoss“ das Wasser mit Wucht in das Koogland und es bildeten sich tiefe und breite Löcher, man spricht dann von Auskolkungen. Dabei handelt es sich dann um Wehle. In den Elbmarschen spricht man auch von Brack oder auch Brake. Wo eine Wehle entstanden war, musste der neue Deich in der Mehrzahl der Fälle um die Wehle herum neu gebaut werden, entweder als Auslagedeich (seeseitig) oder als Einlagedeich (landseitig), gelegentlich auch Halbmond genannt. Auch die heutige Perlebucht soll so entstanden sein. Häufig sind die Wehle auch namentlich benannt. So gibt es z.B. bei der Einfahrt nach Stinteck, vom Nordgrovener Weg aus betrachtet, den Bischofswehl. In Westerdeichstrich gibt es am dortigen Wehl in Höhe des Restaurants Mühlenhof die Straße „Am Wehl“, ebenso in Büsum, ggü. von Lidl und bei Marne/Helse gibt es den Ortsteil Krumwehl. Die im Gebiet von Büsum heute noch sichtbaren Wehle stammen meist von der Allerheiligenflut 1532, der Burchardiflut von 1634 und der Weihnachtsflut von 1717 (Hedwigenkoog). Für eine einzelne Wehle lassen sich meist keine genaueren Datierungen erbringen. Übrigens, bei einigen Wehlen ist auch der Deich abgetragen worden, also nicht wundern, wenn ihr eine Wehle seht und keinen Deich daneben. Woher stammt nun der Begriff „Wehl bzw. Wehle“? Er stammt vermutlich von dem Begriff “wühlen“, plattdeutsch „weuln“, d.h. der Boden wurde beim Deichbruch aufgewühlt.
Günter Santjer