29/06/2026
Mir geht die aktuelle Diskussion rund um die Salzburg Fiaker im Sommer mittlerweile gewaltig auf die Nerven!
Kaum gibt es ein paar heiße Tage, ist plötzlich ganz Salzburg voller Fiaker-Experten, Pferdeexperten, Tierhaltungsexperten und Hobby-Veterinäre. Menschen, die noch nie Verantwortung für ein Pferd getragen haben, erklären plötzlich jenen die Welt, die täglich mit diesen Tieren leben und arbeiten.
Offensichtlich geht es vielen gar nicht mehr um Fakten, sondern nur noch darum, den nächsten Sh*tstorm anzufeuern und sich moralisch überlegen zu fühlen.
Besonders erschreckend finde ich dabei das Verhalten mancher Influencer. Vor nicht allzu langer Zeit waren wir noch gut genug für kostenlose Geburtstagsfahrten oder Content für ihre Kanäle. Heute liest und hört man plötzlich, man hätte sich angeblich schon seit Jahren für ein Verbot der Salzburger Fiaker eingesetzt. Diese Doppelmoral ist schwer zu übersehen.
Manche scheinen mit inhaltslosen Beiträgen gegen Fiaker mittlerweile erfolgreicher zu sein als mit ihrem üblichen Content. Denn eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema wäre offenbar deutlich anstrengender.
Wie viele Liter Wasser ein Pferd täglich trinkt? Wie viele Stunden es schläft? Wie viel Arbeit, Wissen und Verantwortung hinter einer artgerechten Pferdehaltung stecken? Welche gesetzlichen Auflagen und Kontrollen für Salzburger Fiaker gelten? Darüber wissen viele der lautesten Stimmen erstaunlich wenig.
Stattdessen reichen heute offenbar ein 30-Sekunden-Video und ein paar emotionale Bilder aus, um einen gesamten Berufsstand öffentlich an den Pranger zu stellen.
Auch die Aussagen des Vereins gegen Tierfabriken werden von vielen ungeprüft übernommen. Dabei wird gerne verschwiegen, dass es bereits Gerichtsverfahren gab, in denen Aussagen über die Salzburger Fiaker als falsch beurteilt wurden. Wer sich dafür interessiert, kann die entsprechenden Informationen öffentlich nachlesen.
Wer Missstände sieht, soll sie melden. Wer gegen Gesetze verstößt, soll bestraft werden. Dafür gibt es Behörden und Gerichte. Aber selbsternannte Aktivisten ersetzen weder die Exekutive noch die Judikative.
Die Fiaker gehören zu den am strengsten regulierten Gewerben Österreichs.
Es existieren wissenschaftliche Untersuchungen zu Fiakerpferden und deren Belastung unter den örtlichen Bedingungen. Wer wirklich wissen möchte, wie es den Pferden geht, sollte sich mit diesen Ergebnissen beschäftigen – auch dann, wenn das Ergebnis nicht ins eigene Weltbild passt.
Was dieser Debatte aktuell fehlt, sind weniger Empörung, weniger Doppelmoral und weniger blinder Aktivismus.
Und dafür mehr Fakten, mehr Wissen und mehr Bereitschaft, sich tatsächlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Denn die lauteste Meinung ist nicht automatisch die richtige.