30/08/2025
KOMMENTAR
Nun ist es tatsächlich eingetroffen, das Worst-Case-Szenario für die Anbindung Oberösterreichs an die weite Welt: Austrian Airlines hat die Einstellung - oder wie es branchenüblich eher charmant heißt "Pausierung" - der Strecke Linz-Frankfurt verkündet.
Just zu eînem Zeitpunkt, an dem der Linz Airport - Flughafen Linz GesmbH nicht nur seit 70-jähriges Bestehen feiert, sondern auch durch zahlreiche, oft sehr komplexe Einflussfaktoren gerade durch sehr unruhiges Flugwetter unterwegs ist. Angesichts dessen und im Rückblick auf längst vergangene Entscheidungen wäre es vermessen, hier einen Alleinschuldigen zu suchen. Dieser Krug, welcher nun zerbrochen ist, der wurde schlicht und einfach von zu vielen Stellen zum Brunnen getragen. Und ja, jeder dieser Stellen muss sich nun auch berechtigte Kritik gefallen lassen.
Kritik in dem Sinne, dass alle Beteiligten - von Flughafen, Politik bis hin zu Wirtschaft und Industrie - in den letzten Jahren von Insidern immer wieder auf jene Entwicklungen aufmerksam gemacht wurden, die nun in all dieser Summe zu einer solchen Fehlstellung führte.
Bleiben wir bei der Frankfurt-Strecke: Lufthansa pausierte auf dieser bereits 2021 pandemiebedingt, belebte sie danach mit dem Partner Air Dolomiti wieder. Durch Einflussfaktoren, welche nicht im Verantwortungsbereich des Linz Airports lagen, vergraulte man wichtige Geschäftskunden als das man wieder neue hinzu gewinnen bzw. aus der durch die Pandemie entstandene Verlagerung ins Teleworking zurückgewinnen konnte. Da auch gleichzeitig kleinere Fluggeräte aus der Lufthansa-Gruppe zugunsten der Rentabilität pro Sitzplatz verbannt wurden, fielen wichtige, aber aufkommensschwächere Flughäfen wie Linz durch den Raster.
Gemeinsam mit Austrian Airlines bemühte sich der Linzer Flughafen um eine Alternative, welche sich nach einigen Monaten Pause nach dem Scheitern der Air Dolomiti-Flüge auftat. Diese Alternative kam aus Schweden und hatte das eigentlich optimale Fluggerät für die Linzer Bedürfnisse im Gepäck: Braathens Regional mit einer 72-sitzigen ATR 72-600. Bis zu viermal täglich propellerte man seit etwa einem Jahr bzw. zwei Flugplanperioden zwischen der oberösterreichischen Landeshauptstadt und der Mainmetropole.
Allerdings, hinter die Kulissen geblickt, genau dieses "optimale Fluggerät" für Linz war es weder für Frankfurt noch für die kühlen Ertragsrechner der Lufthansa. Aus zwei Gründen: man kann der ATR 72 viel positives zusprechen, ein Geschwindigkeitsmonster ist sie jedenfalls nicht, wodurch sie generell gesehen kaum auf den großen europäischen Drehkreuzflughäfen zum Einsatz kommt und als "Störfaktor" in der An- und Abflugskette empfunden wird. Dazu gilt der Flugzeugtyp konstruktiv als Spezialität hinsichtlich der Gewichtsverteilung und für den sicheren Flug notwendigen Trimmung. Faktoren, welche in Linz meisterhaft gelöst wurden, in Frankfurt aber immer wieder die Schweißperlen der Fluglotsen und Flugzeugabfertiger auslösten, Stichwort Sandsäcke.
Ein dritter, nicht unwichtiger Faktor kam außerdem hinzu. Wie bei Regionalflugzeugen unter 100 Sitzplätzen seit ihrer Entwicklung in den 1980'er Jahren üblich, findet sich auch in der ATR 72 eine 2-2-Bestuhlung. Für Passagiere eigentlich zumeist optimal, für den Ertragsrechner (Revenue & Yield Manager) aber nicht. Warum? "Reserved seat for your comforty" heißt das Zauberwort und bedeutet nichts anderes, als das für Geschäftskundenpassagiere der Nebenplatz frei bleiben soll/muss. In der ATR 72 eine Rechnung mit dem einfachen Milchmäderl: pro gebuchter Reihe auf Business-Tarif fallen 50%, sprich 2 von 4, vorhandenen Sitzplätzen weg. Bei nur fünf belegten Vollreihen (Reihe 2 bis 6) sind dies immerhin 10 Sitzplätze - von 72. Auch aus diesem Grund entfernte die Lufthansa Gruppe etwa die Dash 8-400 aus ihrer Flotte zugunsten breiterer bzw. längerer und somit größerer Flugzeuge.
Ein vierter, wenn auch kleinerer Aspekt, welcher denn nicht unterschätzt werden darf, ist die Thematik Condor. Aus eigener branchenmäßiger Erfahrung weiß ich definitiv zu berichten, dass speziell die Urlaubsflüge in den karibischen, wie auch süd- und nordamerikanischen Raum ab Linz im letzten Winter preislich auch oft unter (!) vergleichbaren Angeboten ab Wien zu finden waren. Dank der Verbindung ab Linz nach Frankfurt, dank der Condor und deren Weiterflügen etwa in die Dominikanische Republik, nach Mexiko oder Jamaika. Diese Möglichkeit fiel jedoch in jüngster Zeit aus dem Umstand weg, dass sich Lufthansa und Condor partnerschaftlich trennten und nun sogar über den Gerichtsweg den Wegfall der vergünstigten Tarife für den Zuflug von Passagieren ins Netzwerk der Condor mit Amt und Siegel feststellen ließen: diese gibt es nicht mehr. Da es offenbar zwischen Austrian und Condor auch kein entsprechendes Agreement gibt, kann man zwar ab Graz oder Salzburg weiterhin Condor-Flüge mit Lufthansa buchen, ab Linz blieb dies jedoch nun gänzlich verwehrt.
Werfen wir nun einen Blick in die Statistik: laut amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes flogen beispielsweise im Zählmonat März 2025 insgesamt 6.464 Passagiere zwischen Linz und Frankfurt. Umgelegt auf die durchgeführten Flüge eigentlich ein sehr guter Schnitt um die 65% Auslastung, welcher zur Feststellung veranlasst: leer waren die Flüge eben nicht!
Eben darum wird man sich, auch aufgrund des in derzeitiger Entstehung befindlichen Papiers für eine neue Strategie des Flughafens Linz die deutliche Kritik gefallen lassen müssen, endlich von diesem unsäglichen wie mittlerweile auch unglaubwürdigen Kuschelkurs zu einer Lufthansa bzw. Austrian abzuweichen - sowohl die Verantwortlichen des Flughafens wie auch die Vertreter aus der Politik wie Markus Achleitner oder Dietmar Prammer. Zugegeben, die Entwicklungen und auch Fehlentscheidungen in den letzten Jahren haben es nicht wirklich einfach gemacht, mit alternativen Netzwerkverbünden wie Air France-KLM oder IAG zu verhandeln oder gar ein stark kränkelndes Linz als neue, wichtige Geschäftskundendestination zu verkaufen, aber selbst bei einer Neuauflage von Frankfurt-Flügen in absolut nicht absehbarer Zeit heißt es garantiert von ALLEN Seiten: oje, buchen wir erst gar nicht, die Strecke wird sowieso wieder eingestellt.
Dieser Krug ist eben gebrochen, wie auch nun der Geduldsfaden zahlender Kunden und möglicher Passagiere leider gerissen ist. In Erwartung abschätzbarer, auch längerfristiger Planungen erwartet man eine klare, kompromisslose und sachlich-ehrliche Kante. Nicht eine Woche Frankfurt fällt raus, die nächste Woche Frankfurt bleibt bis in der darauffolgenden Woche tatsächlich heißt: OBERÖSTERREICH STEHT AB 26. OKTOBER 2026 OHNE ANBINDUNG AN EIN WELTWEITES LUFTVERKEHRSNETZWERK DA!
Weder vier Flüge pro Woche durch Ryanair, noch ein Urlaubsflug nach Ägypten können dies es für ein Industrie-, Wirtschafts- und auch Tourismusbundesland (immerhin befindet sich mit der Region Salzkammergut-Hallstatt eines der TOP-Reiseziele Europas im mittelbaren Einzugsbereich des Linzer Flughafens, in wenigen Jahren sogar mit direkter Anschlussverbindung der Bahn über Wels bzw. Attnang-Puchheim) ausmerzen.
Jetzt sind keine leeren Worte mehr gefordert, sondern eine schonungslose, kompromisslose wie ehrliche Anstrengung ALLER beteiligten Seiten. Auch wenn es dafür notwendig ist, sich nach all den Jahren von Gängelband der Lufthansa und Austrian zu befreien
Michael DAVID, 30.08.2025