26/01/2023
Von Reiseplänen, die sich ständig ändern...
Auf geht's nach Vietnam... oder doch nicht? Horrend teure Flüge (so von Kurzfristigkeit her) haben uns dazu gebracht, nach Alternativen zu schauen. Zum halben Preis im Angebot: Mexiko!
Am 6. Januar frühmorgens liefert uns Krüml am Kiss and Fly in Stuttgart ab und schon einige Stunden später sind wir im warmen Cancun (das All-In-Paradies von Mexiko). Das ist zwar nicht unser Ding, aber Cancun finden wir gar nicht so k***e, wie wir es uns vorgestellt haben. A propos K***e: Basti hat an Tag Zwei schon seinen obligatorischen "Vogel-kackt-ihm-auf-den-Kopf-Moment". Aber wir sind bestens ausgestattet: Desinfektionsspray und Tücher hatten wir direkt nach dem ersten Taco-Genuss gekauft... ***eBringtGlück
Wir entdecken die Stadt, die nicht wirklich vor Sehenswürdigkeiten strotzt. Eigentlich hat sie... keine... aber zum "reinkommen" passt das schon. Erste Station (wie immer): der lokale Markt, Essen auschecken. Basti gibt das mit dem Vegetarier-Dasein instant auf, weil Taco mit Nix halt nur Maisfladen wäre... Und er setzt noch einen oben drauf. Bei seinem ersten Taco frägt er: "Ist das Koriander?!" Caren: "mmmmh, Ja?!", Basti: "Oh mein Gott, ich kann hier Koriander essen!!!"
Wir wissen auch nicht warum, aber Koriander scheint hier milder zu sein. Geil ist für Basti trotzdem anders, aber es beeinflusst die Reise dann doch positiv, wenn der Koriander (der überall drin ist) zumindest auf Akzeptanz stößt...
Unser größter Ausflug in Cancun geht mit den öffentlichen Bussen zum Hafen.
Da wollen wir das erste mal Meer sehen. Auf dem Weg dorthin streifen wir an einem Nasenbär und einem Leguan vorbei. Am Strand angekommen genießen wir ein Bier mit Blick aufs karibische Meer. Urlaub!
Aber auch: Die ersten Tage nur knalle Sonne, daher ziehen wir unseren Anti-Hitze-Anti-Sonnenbrand-Joker und gehen: Ins Kino natürlich!
Für 10 Euro "Avatar 2", nicht nur in 3D, sondern in 4D. Also mit Rüttelsitzen, überall Luftdüsen, Schlägen ins Rückenpolster und Wasserdüsen (die bei uns in Reihe 1 zum Glück kaputt waren.) Kann man schon mal machen!
Am nächsten Tag geht's mit dem Reisebus nach Tulum. Hier wollen wir kurz bleiben, dann nach Mexiko-City fliegen, um uns von dort Stück für Stück wieder in den Süden zu arbeiten. Ein Tag da - und schon werfen wir den Plan über Bord. Wir merken, dass es gefühlt irgendwie cleverer ist, sich hoch zu stottern nach Mexiko-City. So machen wir's!
Tulum liegt an der berühmten Riviera Maya auf der Yucatan-Halbinsel. Die selbst ist übersät von alten Maya-Ruinen, viele davon noch unentdeckt. Auch um Tulum herum kann man viele archäologische Stätten besichtigen aber die meisten Gäste lieben das Städtchen wegen der Strände. Wir machen uns am ersten Tag - wie immer zu Fuß - auf den Weg zum Strand. Und dieses Mal hüpfen wir auch das erste Mal rein ins Meer. Göttlich! Türkis, kristallklar, angenehm warm, tolle Wellen.
Wir überschreiten mit unserem "Wanderausflug" aber mal wieder die Belastbarkeit unserer zarten Fußhaut. Die Blasen fangen also schon an... (Das war mit ein Grund, warum wir die Reiserichtung geändert haben. Jetzt direkt in die Weltstadt, das würden unsere Füße nicht mitmachen)
Wir müssen uns also schonen! Und Caren hat eine tolle Idee!
Wir leihen uns Fahrräder!!! Macht jeder hier, ist auch das beste Fortbewegungsmittel (abgesehen von der Tatsache, dass hier ungefähr 80 Prozent der Radfahrer aka Touristen sonst nie Rad fährt, was das ganze etwas "spannender" macht). Caren hat auch schon ein Ziel... hat sie in nem Blog gelesen: Wir machen eine Radtour nach Muyil!! Da sind Ruinen, die sollen schön sein und nicht so überlaufen. Fahrtzeit: 1:15 h...
Los geht's! Caren düst mit ihrem Rad los (ohne Gangschaltung übrigens, aber es is eh topfeben hier...), Basti hinterher. Die Strecke ist....traaaaumhaft!
Kilometer für Kilometer geht es stur gerade aus, immer auf der Hauptstraße, die eher einer Bundesstraße ähnelt. An uns vorbei brettern riesige LKWs und das Grün vom Straßenrand ändert sich... nie... Viel seltsamer ist aber, dass Caren sportlich an den wenigen anderen Radfahrern tollkühn vorbeizieht. Rasant ist sie unterwegs, eben richtig sporty . Basti fährt hintendrein...und gibt sich alle Mühe mitzuhalten... er tritt in die Pedale, die Muskeln brennen, schmerzen, schreien. "Das kann einfach nich möglich sein, dass Caren nach 5 mal Zumba jetzt soooo viel fitter ist...".
Er kämpft und kämpft... bis wir nach 2 Stunden endlich am Ziel sind (übrigens 25 Kilometer später). Und da löst sich auch das Rätsel: Caren hat unfassbar Glück mit ihrem Rad, mit Bastis Rostlaube fühlt es sich konstant so an, als würde man bergauf fahren...
Die Ruinen sind wirklich schön! Und wir können auch noch einen kleinen Abstecher ins angrenzende Naturschutzgebiet "Sian Ka'an" machen und dort eine der Lagunen bestaunen. Zur Stärkung gibt's noch ein ganzes Hähnchen vom Grill an der Straße. Ein schöner Ausflug! Nur zurück müssen wir noch. Damit es gerecht zugeht, ist Caren auf dem Rückweg mit Bastis Rad unterwegs. Aber sie weiß ja nu, dass das Rad nicht rund läuft und geht es entspannt an: Basti hat zum Teil so viel Vorsprung, dass Caren ihn fast nicht mehr sehen kann... In der Dämmerung kommen wir wieder in Tulum an. Nach insgesamt 50 Kilometern auf rostigen Rädern haben wir uns eine Portion Tacos mehr als verdient!
Ach, auch das war nett: Wir haben uns bisher ja nur an Straßenständen durchgefüttert. Da gibt es immer eine grüne Salsa und eine rote... die grüne war bisher ziemlich mild, eher Guacamole... Basti haut sich also auch hier ordentlich davon drauf... und sitzt Sekunden später weinend und mit Schärfe-Schluckauf am Straßenrand
Von Tulum fahren wir mit dem Bus weiter nach Merida. Kurz vorher ereilen uns zwei Nachrichten: 1. Unsere Reiserücktrittsversicherung zahlt unsere Istanbulreise, die ja wegen Corona ins Wasser fiel.
2. Unser gebuchtes Zimmer ist überbucht und wir kriegen als Ersatz ein komplettes Apartement in Merida... könnte schlechter laufen!
Naja, okay: einer läuft schlechter! Basti hat in Folge der traumhaften Radtour einen nie dagewesenen Muskelkater. Wir gehen es (hihihi) also gemütlich an, was super klappt, denn mexikanische Bordsteine haben eine Durchschnittshöhe von gefühlten 50 Zentimetern...
Merida fühlt sich für uns das erste Mal so richtig echt an. Sie ist die größte Stadt auf Yucatan, die Hauptstadt des Bundestaates, geprägt von spanischen Kolonialzeiten und der früheren Maya-Kultur. Wir wollen die Stadt entdecken und von hier aus auch zu den Ruinen von Uxmal, die für viele Reisende die Alternative zu den wohl sehr überlaufenen Stätten von Chichen Itza sind (Dahin waren übrigens die Zugangsstraßen zu der Zeit gesperrt, weil die angrenzenden Dörfer ihre Steuern nicht gezahlt haben).
Erste Anlaufstelle ist natürlich ein Markt und nachdem wir Tacos, Huarachas, Tortas und manches andere schon probiert haben, essen wir hier halt mal Panuchos und Salbut - eigentlich ist alles irgendwie das gleiche, nur in anderer Form, Größe und Konsistenz. Pepp bringt man rein, indem man unterschiedliche "Füllungen" ausprobiert. Manchmal wissen wir gar nicht, was wir essen. Köstlich war aber alles bisher! Wir flanieren durch die Gässchen, schauen uns Kirchen und das Rathaus an, gucken den Menschen am Zocalo beim Alltag zu. Schön!
Am nächsten Tag haben wir einen Roller parat und mit dem düsen wir nach Uxmal. Auch diese Strecke ist mit einer Stunde Fahrtzeit eher ernüchternd. Alles geradeaus. Nur die letzten Kilometer fahren wir dann doch noch eine landschaftlich schöne Strecke mit einigen Kurven.
Die Ruinen in Uxmal sind beeindruckend. Und der Besuch macht noch mehr Spaß, weil auf dem Gelände viele Leguane/Iguanas unterwegs sind. Die Blütezeit der einst bedeutenden Maya-Stadt war im 9. und 10. Jahrhundert. Ein Jahrhundert später war hier aber dann schon wieder nichts mehr los.
Nach Uxmal fahren wir rein in die Pampa. Und so unspektakulär das Grün oft auf Yucatan aussieht: In dem von Kalkgestein geprägten Gelände verstecken sich echte Perlen, die sogenannten Cenoten. Die gibt es auch an der Riviera überall, da ist aber meist viel los und die Preise sind höher. Wir haben uns hier eine ausgeguckt und tatsächlich sind wir bei unserer Cenote (Kankirixche) nur etwa 8 Menschen. Und für ein paar Minuten haben wir die Höhle sogar ganz für uns alleine: über uns Tropfsteine und Fledermäuse, unter uns kristallklares kühles Wasser, je nach Tiefe in unterschiedlichen Blau- und Türkistönen. Traumhaft!!! Wer nicht weiß, was Cenoten sind: go for it, google it... und buch dann vor Sehnsucht den nächsten Urlaub!
Von Merida geht's weiter ins viel kleinere Campeche, nur 3 Stunden Fahrt mit dem Bus. Das reizende Städtchen liegt direkt am Meer, was hier der Golf von Mexiko ist, also dunkler, rauer, eher so Atlantikstyle. Strand gibts hier keinen, schön ist es trotzdem. Bunte Kolonialhäuser in geraden Gassen, Reste der Stadtmauer und echtes Leben.
Kulinarisch orientieren wir uns an Mairübchenähnlichem Gemüse vom Markt (sah spannend aus, so serviert mit Limette und Chili-Salz), Tortas mit Lechon - also Spanferkel (oh.mein.gott.so.saftig), Relleno negro - also Truthanfleisch, das dank irgendwelcher Gewürze ganz schwarz ist und Marquesitas - ein crepeähnlicher Teig, der hauchdünn ausgebacken und dann gerollt wird. Kurz abgekühlt ist das ganze aber Waffelknusprig. Kann man machen... man kann aber auch n Crepes essen...
Wäre hier eine Waage...die spräche Bände...
Von Campeche geht es weiter in die Berge! Unsere erste Nachtfahrt steht an. Da es aber erst um 21 Uhr losgeht, haben wir noch Zeit für: Kino! Wir haben uns einen echten Klassiker rausgesucht: Der weiße Hai (das Original aus den 70ern) in 3D. Hat dem Filmerlebnis gut getan!
Die nächste Station ist San Cristobal de las Casas. Stand nicht unbedingt auf der Liste, aber Caren will unbedingt noch an die Pazifikküste und eine Direktfahrt dahin (mit mind. 17 Std. Fahrt) wäre... nicht Urlaubslaunefördernd, geschweige denn möglich. Als Zwischenstopp klingt das Städtchen aber gut und es scheint eine tolle Möglichkeit, eine neue Facette des Landes zu entdecken. Also auf in den nächsten Bundesstaat: Chiapas!
Wir stranden frühmorgens am Busbahnhof, dürfen unser Gepäck aber zum Glück im Hostel abgeben. Also auf zum Markt und futtern. Und man merkt: Hier ist es einen Kittel kälter... wir sind mittlerweile auf 2.200 Metern und man merkt auch schon, dass die Luft dünner ist. Wir streifen über Märkte und durch Gässchen und sehen dabei so viele Dread-Heads, wie schon lange nicht mehr. Hier sind einige Reisende oder/und Suchende hängen geblieben. Straßenmusiker aus aller Welt, Yoga-Studios, vegane Shops und eine Handvoll Gras-Angebote mehr... das Städtchen hat sich vermutlich in den letzten 10 Jahre ein paar mal neu erfunden. Ein mexikanisches Herz ist noch geblieben.
Übrigens: Nachts ist es Schweinekalt! In allen Klamotten, die wir dabei haben, gehen wir Essen. Heute für uns beide zum ersten Mal auf dem Speiseplan: Tamales! (in Bananen- oder Maisblättern gedämpfter Maisbrei)
Wir machen einen Ausflug zum Canon del Sumidero: An der höchsten Stelle ragen die Felswände 1 Kilometer in den Himmel. Echt beeindruckend! Zuerst schauen wir uns die Schlucht von oben an, dann geht's mit dem Boot mitten hinein. Rechts und links liegen Krokodile, über und neben uns fliegen allerhand Kraniche, Fischreiher und viele Vögel, deren Namen wir gar nicht kennen.
Danach gibt's noch einen Abstecher in das Dorf Chiapas de Chorzo, ein Pueblo Magico (so heißen hier die besonders hübschen Orte). Wir verbringen dort die meiste Zeit mit Essen, weil der Straßenwirt der Meinung war, dass wir in eines der Touri-Restaurants sollten, vielleicht war er aber auch hart überfordert. Es hat eeewig gedauert (obwohl nur ein Schöpf-Essen), war aber lecker. Trotz der wenigen Restzeit sind wir noch echt wo tolles reingestolpert: Ein paar Blocks weiter war der Karneval in Gang: Musik, tanzende, schnatternde, trinkende Menschen in traditionellen Kostümen. Das war toll!
Nach diesem Ausflug schnappen wir unser Gepäck und sitzen kurz darauf schon wieder im Nachtbus: ab an den Pazifik nach Puerto Escondido! Diiiie Stadt für Surfer!!! Ob wir es auch ausprobieren???