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Urbexplorer Urbex - History - Dark Places

15. Oktober 1946, kurz vor Mitternacht. In Zelle 5 des Nürnberger Gefängnisses stirbt Hermann Göring, der die Gestapo au...
16/10/2026

15. Oktober 1946, kurz vor Mitternacht. In Zelle 5 des Nürnberger Gefängnisses stirbt Hermann Göring, der die Gestapo aufgebaut hat und die Luftwaffe führte.

Am nächsten Morgen sollte er hängen.

Er bat darum, wie ein Soldat erschossen zu werden. Man lehnte ab. Dann bat er den Gefängnispfarrer Henry Gerecke um das Abendmahl. Auch das wurde ihm verweigert.

Gegen 22:45 Uhr hörte ein Wachmann seltsame Geräusche aus der Zelle. Göring hatte eine Zyankalikapsel zerbissen. Gerecke war bei ihm, als er starb.

In einem Brief an den Kommandanten, datiert auf den 11. Oktober, schrieb er, dass er das Gift seit seiner Gefangennahme versteckt gehalten hatte.

Wie er es durch alle Kontrollen geschafft hat, ist bis heute nicht geklärt. Die Ermittler gingen davon aus, dass er die Kapsel schon vor der Festnahme besaß. Später tauchte die Version auf, ein amerikanischer Wachmann habe sie ihm besorgt.

Die Galgen standen schon bereit. Göring entging dem Strick. Dem Urteil entging er nicht.

Wie seht ihr das? War der Suizid für Göring die letzte Flucht vor einer Verantwortung, die er nie übernommen hat, oder hätte er den Strick verdient gehabt?

Bild: Wikipedia Commons

15/10/2026

STRAẞENHUNDE IN RUMÄNIEN 🥺

Wer in Rumänien über Land fährt, sieht die Hunde zuerst am Straßenrand. Sie liegen im Staub, halb im Schatten eines Lkw, und heben kaum den Kopf, wenn ein Auto vorbeizieht.

Dann die Dörfer. Hinter einem Gartenzaun hängt ein Hund an einer kurzen Kette. Die Sonne brennt von einem wolkenlosen Himmel, und der Blechnapf neben ihm ist seit Stunden leer. Das Wasser ist verdunstet, nur ein trockener Rand ist geblieben. Er hechelt und dreht sich im Kreis, so weit die Kette es erlaubt.

Weiter an der Raststätte hat sich ein Rudel den Parkplatz aufgeteilt. Die Älteren bekommen die Reste, die Jungen warten am Rand. Kaum wirft jemand ein Stück Brot aus dem Fenster, beginnt ein Streit. Zähne, Knurren, ein Hund rennt humpelnd davon, das Hinterbein angezogen.

Ein Hund mit gebrochenem Vorderlauf kämpft sich über die Landstraße. Keine Klinik in der Nähe, kein Geld für einen Tierarzt, nur Hunger und ein Revier, das er nicht mehr verteidigen kann. Irgendwann liegt er still am Straßenrand, und am nächsten Morgen fährt schon wieder ein Auto daran vorbei.

Seit 2013 hat das Ganze eine Frist. Vierzehn Tage, dann darf der Hund getötet werden. Mehr Zeit bekommt ein Streuner nicht, wenn er einmal im Zwinger landet.

Wer das nächste Mal an einer rumänischen Tankstelle hält, nimmt etwas Futter mit. Dauert zwei Minuten.

Kanntest du das Schicksal der Straßenhunde? Schreib es in die Kommentare 👇

1944: Zwei Bilder. Derselbe Mann.Man muss sich das einmal vorstellen: Du stehst vor dem Volksgerichtshof. Vor dir sitzt ...
15/10/2026

1944: Zwei Bilder. Derselbe Mann.

Man muss sich das einmal vorstellen: Du stehst vor dem Volksgerichtshof. Vor dir sitzt Roland Freisler, der dich anschreit, dich beschimpft und dir kaum Gelegenheit lässt, einen Satz zu Ende zu sprechen. Im Saal sitzen Menschen, die über dein Leben entscheiden. Das Urteil steht längst fest.

Und dann schaust du an dir herunter. Du trägst keine Uniform mehr. Deine Rangabzeichen sind verschwunden. Das Regime hat dich aus der Wehrmacht ausgeschlossen, damit du als vermeintlich ehrloser Mann vor Gericht stehst.

Genau das sollte mit den Männern des 20. Juli 1944 geschehen. Sie sollten nicht nur sterben. Vorher wollte man sie erniedrigen.

Auch Helmuth James von Moltke bekam zu spüren, wie weit diese Demütigung ging. Zivilisten mussten ohne Krawatte erscheinen, Geistliche ohne ihren Priesterkragen. Selbst die Kleidung wurde zum Mittel der Bestrafung.

Der Mann auf diesen Bildern heißt Georg Schulze-Büttger. Oberst der Wehrmacht, enger Vertrauter von Henning von Tresckow und Teil des militärischen Widerstands gegen Hi**er.

Am 13. Oktober 1944 stand er vor dem Volksgerichtshof. Am selben Tag wurde er im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee gehenkt. Wenige Tage zuvor war er 40 Jahre alt geworden.

Vierzig Jahre. Ein Leben, das noch vor ihm hätte liegen können.

Wenn wir diese beiden Bilder betrachten, sehen wir einen Mann, dem das Regime Uniform und Rang genommen hatte. Es wollte bestimmen, wie er vor der Welt erschien. Über seine Haltung konnte es damit nicht entscheiden.

Georg Schulze-Büttger. Ermordet am 13. Oktober 1944.

Kennt ihr seine Geschichte?

14/10/2026

1942: Vor mehr als achtzig Jahren hat die SS in Polen Kinder aus ihren Familien geholt und ihnen einen neuen Namen gegeben.

Im Winter 1942 standen in den Dörfern um Zamość die Menschen auf dem Platz. Die Männer waren oft schon verhaftet oder verschleppt worden.

Die Frauen hielten ihre Kinder an der Hand. Dann kamen die Ärzte mit Messbändern und Listen. Sie maßen Köpfe, sahen in Augen und Mündern nach, betrachteten Haar und Nase. Ein Kind, das den Kriterien genügte, wurde aus der Reihe gezogen. Die Mutter durfte oft nicht mit.

Viele dieser Kinder kamen zuerst in Sammelstellen, etwa in Litzmannstadt, dem heutigen Łódź. Dort wurden sie weiter sortiert.

Wer als eindeutschungsfähig galt, wurde ins Reich gebracht und zu deutschen Pflegefamilien oder in Heime gegeben. Dort bekamen sie neue Papiere, neue Geburtsdaten, neue Namen.

Man sagte ihnen, ihre Eltern seien tot oder hätten sie verstoßen. Manche vergaßen ihre Muttersprache binnen Monaten.

Die Zahlen sind Schätzungen. Von mindestens 200.000 Kindern ist die Rede, einige Quellen nennen mehr als 250.000.

Viele Mütter haben nach 1945 jahrzehntelang gesucht, Briefe geschrieben, Listen abgeglichen. Ein Teil der Fälle wurde nie aufgeklärt, weil Akten fehlten oder vernichtet worden waren.

Warum weiß davon kaum jemand? Weil die Kinder selbst lange schwiegen, und weil die Täter ihre Spuren gut verwischt haben.

Wer davon zum ersten Mal hört, schreibt es in die Kommentare. Und teilt den Beitrag, damit diese Kinder nicht noch einmal verschwinden.

12/10/2026

Die Deutschen haben 1939 in Danzig Postbeamte erschossen und hingerichtet, weil sie ihr Postamt verteidigt haben.

Am 1. September, kurz nach 4 Uhr früh, griffen SS-Heimwehr und Polizisten das polnische Postamt am Heveliusplatz an. Drinnen waren knapp 60 Männer, fast alle Postbeamte. Keine Soldaten. Sie hatten Maschinengewehre, Pistolen und Handgranaten versteckt und die Fenster verstärkt. Fast 15 Stunden hielten sie durch.

Dann pumpten die Angreifer Benzin in die Kellerräume. Dort starben drei Verteidiger. Am Abend ergaben sich die Überlebenden. Der Erste, der mit weißer Flagge herauskam, Direktor Jan Michoń, wurde erschossen. Kommandant Józef Wąsik wurde mit einem Flammenwerfer verbrannt.

Die Männer bekamen keinen Status als Kriegsgefangene. Ein Kriegsgericht verurteilte am 8. September 28 unverletzte Verteidiger, am 30. September noch zehn weitere. Alle wurden als angebliche Partisanen zum Tode verurteilt. Im Oktober 1939 wurden sie erschossen. Viele hatten eine Frau, Kinder, ein Zuhause. Einige hatten gerade erst ein Kind bekommen.

Erst 1998 hob das Landgericht Lübeck die Urteile auf und rehabilitierte die Hingerichteten. Das waren fast 60 Jahre.

Heute steht ein Museum der Polnischen Post im alten Postgebäude in Danzig. Die meisten Deutschen kennen diesen Ort nicht.

Wer heute über Flucht und Grenzen streitet, sollte wissen, wie der Krieg in Danzig angefangen hat. Teilt den Beitrag, wenn ihr findet, dass jeder das wissen sollte.

1981: Die DDR tötete ihren eigenen Spion. Sein Verbrechen? Er wollte abhauen – und hatte die falschen Geheimnisse in der...
11/10/2026

1981: Die DDR tötete ihren eigenen Spion. Sein Verbrechen? Er wollte abhauen – und hatte die falschen Geheimnisse in der Tasche.

Werner Teske war Hauptmann beim Ministerium für Staatssicherheit. Er hatte in Volkswirtschaft promoviert und arbeitete für die Hauptverwaltung Aufklärung, den Auslandsgeheimdienst der DDR. Er beschaffte Informationen aus dem Westen und gehörte zu einem Apparat, der andere Länder ausspionierte und die eigenen Mitarbeiter streng kontrollierte.

Doch irgendwann wollte Teske raus.

Er war frustriert von seinem Dienst und dachte daran, in den Westen zu fliehen. Dafür entwendete er geheime Unterlagen und versteckte sie in seiner Wohnung. Möglicherweise wollte er sie bei einer Flucht westlichen Geheimdiensten anbieten. Doch er gab seine Fluchtpläne wieder auf. Die Dokumente behielt er trotzdem.

Dann floh im Januar 1979 ein anderer Stasi-Offizier: Werner Stiller. Er setzte sich in den Westen ab und nahm geheime Akten mit, durch die zahlreiche DDR-Spione enttarnt werden konnten. Für die Stasi war das ein schwerer Schlag. Die Angst vor weiteren Überläufern wuchs.

Auch Teske geriet ins Visier der Ermittler.

Im September 1980 wurde er verhaftet. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden sie die versteckten Geheimunterlagen. Teske gestand, eine Flucht erwogen zu haben. Er hatte tatsächlich Dokumente gestohlen und für eine mögliche Weitergabe an den Westen gesammelt. Aber er war nicht geflohen. Und er hatte die Unterlagen keinem westlichen Geheimdienst übergeben.

Trotzdem stand er im Juni 1981 vor einem geheim tagenden Militärgericht. Der Prozess dauerte zwei Tage. Das Urteil: Tod.

Die Richter werteten die gesammelten Dokumente als vollendete Spionage und seine Fluchtpläne als vorbereitete Fahnenflucht. Sein Gnadengesuch blieb erfolglos.

Am 26. Juni 1981 wurde Werner Teske in Leipzig erschossen. Ein Schuss in den Hinterkopf. Er war 39 Jahre alt.

Danach sollte auch seine Geschichte verschwinden.

Sein Leichnam wurde noch am selben Tag eingeäschert. Die Behörden hielten die Hinrichtung geheim. Seine Frau und seine Tochter erhielten neue Identitäten. Die Familie erfuhr erst nach dem Ende der DDR, was wirklich geschehen war.

Die Todesstrafe schaffte die DDR erst 1987 ab.

1998 wurden ein Richter und ein Staatsanwalt, die an Teskes Verfahren beteiligt gewesen waren, wegen ihrer Rolle in dem Fall zu Haftstrafen verurteilt.

Teske hatte Geheimnisse gestohlen. Er hatte gegen die Regeln seines eigenen Geheimdienstes verstoßen. Doch zwischen gestohlenen Akten und einer Hinrichtung lag eine Entscheidung, die der Staat bewusst traf.

Werner Teske hatte seine Flucht aufgegeben. Die DDR ließ ihn trotzdem erschießen. Danach versteckte sie seinen Tod hinter verschlossenen Türen und falschen Namen.

Er war der letzte Mensch, der in der DDR zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Kanntest du seine Geschichte?

Bildquelle: BStU

1943 – Rudolf Schleif. Erst sperrte man ihn weg. Dann lieferte man ihn der SS aus.Rudolf Schleif ist acht Jahre alt, als...
10/10/2026

1943 – Rudolf Schleif. Erst sperrte man ihn weg. Dann lieferte man ihn der SS aus.

Rudolf Schleif ist acht Jahre alt, als er zum ersten Mal in ein Erziehungsheim kommt. Von da an wird sein Leben von anderen bestimmt. Er kommt in weitere Heime, später in Heil- und Pflegeanstalten. Über ihn werden Gutachten geschrieben, Urteile gefällt und Entscheidungen getroffen. Rudolf selbst hat wenig zu sagen.

Die Ärzte erklären ihn für „unheilbar“. Ihre Diagnose: „angeborener Schwachsinn“. 1936 wird Rudolf zwangssterilisiert. Er ist 17 Jahre alt.

Zu diesem Zeitpunkt hat der Staat bereits über einen Teil seiner Zukunft entschieden. Doch die Akte ist noch lange nicht geschlossen.

1943 befindet sich Rudolf in der Heil- und Pflegeanstalt Waldheim. Er soll dort dauerhaft bleiben. Dann wird er als arbeitsfähig für die SS gemeldet. Die Anstaltsleitung gibt ihn damit für den Einsatz in einem Konzentrationslager frei.

Am 30. Dezember 1943 wird Rudolf im KZ Buchenwald registriert. Die SS versieht ihn mit der Kategorie „Asozial“. Ein Wort auf einer Häftlingsakte, das einen Menschen auf wenige Buchstaben reduziert.

Im Januar 1944 folgt die Verlegung nach Mittelbau Dora. Unter Tage müssen Häftlinge in den Stollen des Mittelwerks arbeiten, wo die Deutschen ihre V-Raketen produzieren lassen. Staub, Erschöpfung, Hunger und Krankheiten gehören zum Alltag. Wer nicht mehr arbeiten kann, gerät in Lebensgefahr.

Rudolf hält diesen Bedingungen nicht einmal drei Monate stand.

Anfang April 1944 wird er mit mehr als 900 kranken und entkräfteten Häftlingen nach Bergen-Belsen deportiert. Die SS schiebt jene ab, deren Arbeitskraft aufgebraucht ist. Für Rudolf bedeutet der Transport den nächsten Abschnitt einer Verfolgung, die schon in seiner Kindheit begonnen hat.

Am 18. April 1944 stirbt er in Bergen-Belsen. Rudolf Schleif wird 25 Jahre alt.

Wenn man seine Lebensgeschichte verfolgt, führt eine Spur zur nächsten: das Erziehungsheim, die ärztliche Diagnose, die Zwangssterilisation, die Anstalt in Waldheim, die Meldung an die SS, Buchenwald, Dora und schließlich Bergen-Belsen.

Hinter jeder Station stehen Menschen, die Entscheidungen getroffen haben. Rudolf wurde nicht einfach vom Krieg erfasst. Er wurde von einem System erfasst, das ihn zunächst aus der Gesellschaft ausschloss, ihm seine Selbstbestimmung nahm und ihn schließlich als Arbeitskraft verbrauchte.

Die erste Station war ein Erziehungsheim. Die letzte eine Baracke in Bergen-Belsen. Dazwischen lag ein Leben, über das fast immer andere entschieden.

Kanntest du die Geschichte von Rudolf Schleif? Schreib es in die Kommentare.

09/10/2026

GOTT VERLASSEN? 🇷🇴 HIER BETET NIEMAND MEHR

Nördlich von Bukarest, in einem rumänischen Dorf zerfällt die orthodoxe Kirche Buna Vestire-Mărășeasca. Zwischen überwucherten Mauern und bröckelndem Mauerwerk liegt ein Stück rumänischer Geschichte, das langsam in Vergessenheit gerät.

Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. 1802 wurde hier eine neue Kirche errichtet. Erdbeben, Umbauten und der Lauf der Zeit prägten das Gebäude über Generationen hinweg.

1810 musste die Kirche nach Schäden wieder aufgebaut werden. Der Bau besaß einen ungewöhnlichen Kleeblattgrundriss. Ein Vorbau mit runden Backsteinsäulen führte zum Eingang, dessen steinerner Rahmen kunstvoll verziert war. Im Inneren schmückten Wandmalereien die Räume, in denen Menschen beteten und ihre religiösen Feste feierten.

1877 wurden Veränderungen an der Fassade vorgenommen und die Wandmalereien erneuert. Noch 1940 dokumentierte der rumänische Kunsthistoriker Victor Brătulescu die architektonischen Besonderheiten der Kirche. Damals war sie ein Gegenstand kunsthistorischen Interesses.

Heute stehen nur noch die Überreste des Gotteshauses und Teile seiner historischen Umfassungsmauer. Die Anlage ist denkmalgeschützt. Wann die Kirche endgültig aufgegeben wurde und was ihren späteren Verfall verursachte, ist nicht eindeutig belegt.

Wer hier einst vor den Ikonen kniete, wer die Glocken hörte und wer in diesen Mauern Abschied von geliebten Menschen nahm, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen.

Die Natur erobert den Ort zurück. Wurzeln dringen in die Mauern, Pflanzen wachsen zwischen den Steinen und jeder weitere Winter hinterlässt seine Spuren.

Ein Gotteshaus, das Jahrhunderte überdauerte, steht heute verlassen in der Landschaft. Seine Geschichte ist noch da – man muss nur genauer hinsehen.

Vielleicht ist das Vergessen der letzte Schritt, bevor ein Ort endgültig verschwindet.


8. Oktober 1939. Der Krieg ist gerade einmal fünf Wochen alt. Die polnische Armee ist geschlagen, Warschau hat kapitulie...
08/10/2026

8. Oktober 1939. Der Krieg ist gerade einmal fünf Wochen alt.

Die polnische Armee ist geschlagen, Warschau hat kapituliert, deutsche Soldaten besetzen das Land. Viele versuchen trotzdem, ihren Alltag wieder aufzunehmen. Sie gehen nach Hause, öffnen ihre Geschäfte, kümmern sich um ihre Familien.

Dann kommt der Erlass aus Berlin.

Hi**er ordnet die Eingliederung großer Teile des besetzten Polens in das Deutsche Reich an. Posen, Pommerellen und Westpreußen, Teile Oberschlesiens und das Gebiet um Ciechanow (Zichenau) werden deutsches Staatsgebiet.

Rund 92.000 Quadratkilometer mit mehr als neun Millionen Einwohnern.

Für die Menschen dort stehen die Häuser am nächsten Morgen noch an ihrem Platz. Die Felder sind dieselben, die Familien wohnen in ihren Wohnungen. Nur der Staat, zu dem sie gehören, ist plötzlich ein anderer.

Und dieser Staat beginnt sofort damit, die Gesellschaft nach seinen Vorstellungen umzubauen.

Polnische Behörden verschwinden, Schulen und Zeitungen werden geschlossen, deutsche Verwaltungen übernehmen. Mit der Deutschen Volksliste wird die Bevölkerung nach rassistischen Kriterien eingeteilt: volksdeutsch, deutschstämmig, „eindeutschungsfähig“ – oder unerwünscht.

Aus dieser Einteilung werden bald konkrete Schicksale.

Im Winter 1939/40 werden im Warthegau zehntausende Polen aus ihren Wohnungen und Höfen vertrieben. Oft bleiben nur Stunden zum Packen. Ein Koffer, etwas Kleidung, persönliche Papiere – dann geht es ins Generalgouvernement. In die geräumten Häuser kommen deutsche Umsiedler aus dem Baltikum und aus Wolhynien.

Während dort Familien ihre Heimat verlieren, wird in Krakau die polnische Elite ausgeschaltet. Am 6. November 1939 verhaftet die SS bei der Sonderaktion Krakau mehr als 180 Professoren und Wissenschaftler. Viele werden nach Sachsenhausen verschleppt, einige überleben die Haft nicht.

Damit ist die Richtung vorgegeben: Enteignung, Vertreibung, Zwangsarbeit und die systematische Zerschlagung der polnischen Gesellschaft.

Zwei Jahre später wird aus dieser Politik offener Massenmord.

Im Dezember 1941 beginnt in Kulmhof, dem heutigen Chełmno, die Ermordung von Menschen in Gaswagen. Wieder im Warthegau, in jenem Gebiet, in dem deutsche Behörden zuvor polnische Familien vertrieben und deutsche Umsiedler angesiedelt hatten.

Vom Erlass zur Vertreibung, von der Vertreibung zum Mord – innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren.

Und genau deshalb lohnt sich der Blick zurück auf den 8. Oktober 1939.

Wenn heute über die Vertreibungen von 1945 gesprochen wird, beginnt die Geschichte oft erst dort. Aber warum eigentlich?

Die Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat war im von Deutschland besetzten Polen bereits seit 1939 Teil der deutschen Besatzungspolitik.

Wer 1945 als Ausgangspunkt erzählt, erzählt nur die halbe Geschichte.

Warum wird über die Vertreibungen der Deutschen so viel gesprochen – und über die Vertreibungen, die Deutschland selbst wenige Jahre zuvor in Polen organisiert hatte, so viel weniger?

Unbequeme Frage. Aber genau deshalb sollte man sie stellen.

Foto: Wikimedia Commons

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