15/02/2022
Er ist eine lebende Legende im Südsudan und in Uganda - hier kennt fast jeder den „Machine Gun Preacher“: Sam Childers. Seine persönliche Geschichte ist ebenso unglaublich wie sein historisches Wirken. Childers hat im Südsudan und Nord-Uganda vielen tausenden Kindern das Leben gerettet. In seinem früheren Leben in den USA war er ein gewalttätiger Drogen-Gangster und gefürchteter Motorradrocker. Mehrfach landete er deshalb im Gefängnis. Als er aufgrund der eigenen Heroinsucht am absoluten Tiefpunkt anlangte, fand er durch seine Frau - eine ehemalige Stripperin - zum christlichen Glauben. Fortan verdiente er sein Geld als Dachdecker und gründete eine kleine Baufirma. Zudem wurde er Prediger in seiner (evangelikalen) Gemeinde in Pennsylvania.
Eines Tages bat ihn ein Missionar, ein Waisenhaus in Norduganda zu bauen. Dadurch kam Sam Childers in Kontakt mit dem Schicksal der Kriegswaisen zur Zeit des Bürgerkriegs. Mit eigenen Augen sah er niedergebrannte Dörfer und verstümmelte Kinder, deren Eltern abgeschlachtet worden waren. Verantwortlich für diese Kriegsverbrechen ist die vom ugandischen Warlord Joseph Kony angeführte LRA (Lord’s Resistance Army). Als eine von Sam Childers gebaute Kirche niedergebrannt und wieder Kinder entführt wurden, entschloss er sich, die von der
LRA versklavten Kinder mit Waffengewalt zu befreien. Er heuerte eine Handvoll südsudanesischer Freiheitskämpfer an, besorgte Waffen und stellte zwei Trucks zur Verfügung. Mit Überraschungsangriffen auf Transporter der LRA gelang es ihm mehrfach, hunderte Kinder zu befreien. So wurde Sam Childers zum „Machine Gun Preacher“ und zur Legende. Die LRA fürchtete ihn. Der weltweit gesuchte Kriegsverbrecher Joseph Kony setzte sogar ein Kopfgeld auf Childers aus. Doch dessen Ruf verbreitete sich auch unter den versklavten Kindersoldaten der LRA. Das führte dazu, dass bei militärischen Konfrontationen, viele der Kindersoldaten die Waffen niederlegten und kampflos zu Childers überliefen. Jene, die es nicht schafften, liess Kony brutal niedermetzeln. Sam Childers hat hunderte Waisenkinder persönlich adoptiert. Sie tragen seinen Nachnamen. Childers führt heute nicht nur Waisenhäuser im Südsudan, Uganda und Äthiopien. Auf seiner Farm in Nwole erwirtschaften 55 seiner heute erwachsenen Schützlinge die Nahrungsmittel für die Waisenkinder und hunderte vulnerable Menschen aus der Region. 9000 Mahlzeiten werden täglich an Bedürftige ausgegeben. Childers kümmert sich auch um die Ausbildung. Er liess den grössten Truckstop Ugandas samt Motel bauen, öffnete ein Restaurant, mehrere Werkstätten, und eine Sicherheitsfirma, in denen die ehemaligen Waisenkinder „on the job“ ausgebildet werden. Ziel ist es durch eigene Qualifikation, Bildung und Fleiss selbstständig zu werden und ein eigenes Leben aufzubauen. Momentan beschäftigt Childers 550 Menschen. Er hofft in zwei, drei Jahren auf 1000 zu kommen. Sam Childers: „That’s my dream, that this will continue growing, even after God has taken me out of the game“. Childers trägt weiterhin offen einen C**t - auch bei unserem Interview - und seine AK47 begleitet ihn vom Auto bis ins Schlafzimmer. Kein Wunder: Kony lebt noch und das Kopfgeld auf Childers bleibt für manche eine Versuchung…
Für sein Engagement wurde Sam Childers unter anderem mit dem „Mother Teresa Memorial International Award for Social Justice“ ausgezeichnet.
Sein Leben wurde 2011 von Hollywood verfilmt: „Machine Gun Preacher“ unter der Regie von Marc Foster und mit Gerard Butler in der Titelrolle. Sehenswert…